By Marcus on 24. Januar 2012 — 2 mins read

“Zwischen Journalisten und Bloggern herrscht Krieg.” Das sage nicht ich, das steht als erster Satz im Kapitel “Was Journalisten von Bloggern lernen können” in dem Buch “Das neue Handbuch des Journalismus” halt Moment der Titel geht noch weiter “und des Online-Journalismus”. Kommt man ja jetzt irgendwie nicht drumherum um dieses Internet, überarbeitet man das Buch von 1996, 1998, 2003 und schreibt 2012 halt noch was zum Internet mit dazu. 

Zum Beispiel sowas hier: “Das Internet wirbelt das Leben durcheinander und den Alltag der Menschen.” Huiii. Damit nicht genug. Der muntere Wirbelsturm Internet wirbelt nämlich auch Demokratien durcheinander, schreiben Wolf Schneider und Paul-Josef Raue und ergänzen dann gut gefettet damit es niemandem entgeht, dass das Internet auch noch die Wahrheit, die Mächtigen, die Nutzung von Medien, die Märkte, die Verlage, die Redaktionen und den Journalismus durcheinander wirbelt.

Ein Traum. Aber was für einer. Der Weg zum Albtraum ist nah, schreiben die Herren, denn – Zitat – “Der Dialog im Internet besteht zum Großteil aus Schwachsinn oder Dampfplauderei, er kostet mehr Zeit, als er Gewinn bringt.” Aha. Und was können die Journalisten jetzt von diesen Bloggern lernen? In der Art zu schreiben! Die Journalisten “etwas lockerer, origineller, unbürokratischer.” Das ist es dann aber auch offenbar. 

Erstaunlich, dass Schneider und Raue auf der Rollenbeschreibung des Schleusenwärters beharren, während anderswo der Übergang vom Gatekeeping zum Gatewatching bereits wissenschaftlich aufgearbeitet wurde und beispielsweise der Guardian die Tickermeldungen auf den Bürorechnern durch das Programm Tweetdeck ersetzt hat während man hier neunmalklug darauf verweist, dass Twitter und Blog ja auch ihre Unschuld längst verloren hätten, da Obama mit beiden bis zur letzten Minute damit Wahlkampf getrieben habe.

Fragt sich nur erstens welche von wem behauptete Unschuld (Wie schuldig ist ein Werkzeug?) und zweitens wie viel Praxiswissen die beiden Autoren mitbringen während sie mutig an der Praxis vorbei schreiben und auf einem tradierten Berufsbild beharren.

“Die Regeln für klassischen Journalismus ändern sich im Internet nicht.” Das mag oder mag so nicht stimmen. Fragt sich nur wie viel Klassik man nach einer – ja selbst beschriebenen – Revolution noch braucht und ob man nicht auch auf die sich ändernden Rahmenbedingungen, Möglichkeiten, Chancen und Notwendigkeiten eingehen sollte.

Um zu sehen, dass es sich beim “Online-Journalismus” nur um einen – bestimmt gut gemeinten – Titelzusatz,  aber nicht um eine konsequente Umsetzung handelt, reicht ein Blick in das Kapitel Infographik. Der netzspezifische Erkenntnisgewinn beschränkt sich auf die Feststellung, dass es im Internet eine eigene Graphik gibt. Die ist interaktiv. Vielen Dank. 

Leave a comment