Zürich

By Marcus on 7. Mai 2015 — 2 mins read

Es fängt damit an, dass ich in einem Flughafenbus sitze und einen Podcast höre, in dem eine Frau von ihrem Frühstück berichtet und erzählt wie sie dabei Twitter anschaut und online die New York Times liest, als es klingelt und ein Mann sie bittet ihr in den Mund zu scheißen. Der Podcast heißt Love + Radio (Thank You, Princess 27. März, 49 Minuten), ich habe ihn in irgendeiner Liste zu hörender Podcasts entdeckt und ich sitze in einem Flughafenbus, höre diese Geschichte die von traurigen Gestalten, Fetischen und mehr berichtet und ein korpulenter Mann mit Glatze und beigen Kleidungsstücken setzt sich neben mich, er zwängt sich neben mich und ich kenne diesen Mann. Ich habe ihn vor einigen Minuten in der Wartehalle dabei beobachtet wie er minutenlang sehr langsam mit seinem rechten Zeigefinger abwechselnd in einer seiner beiden Nasenöffnungen herumhantierte. Er tauchte seinen Finger etwa drei Zentimeter tief in eines seiner beiden Nasenlöcher, um ihn danach genüsslich Richtung Mund zu führen.

Mit Dokumentarfilmmachern in einem Restaurant namens Viadukt. Es gibt Möhrensuppe und ein schweres Fleischgericht und Pinot Noir und der iranische Filmemacher zeigt YouTube-Videos von hüpfenden Ziegen auf einem Trampolin und dann schauen wir uns Bilder eines riesigen Riemenfisches an und ein Video von einem sehr pelzigen Tier dessen Namen ich vergesse habe. M erzählt von Boulder, Colorado, Ende der 1970er, von amerikanischem Untergrund-Kino und Hippies und analogem Film und es klingt wohlig und angenehm und sehr weit weg.

Die Langstraße ist gar nicht so sonderlich lang. Es ist 23:30 an einem Mittwoch Abend. Und wenn man ein Stück stadtauswärts geht und dann links abbiegt ist man auf einmal woanders. Da ist eine Art Bierstube, eine Trinkhalle und schräg gegenüber dieser Club mit blinkenden Palmen und rotem Licht und dreckigem Asphalt und es ist laut und es riecht und es fühlt sich an, als ob Jörg Fauser zusammen mit einem Ulrich Seidel Cast am Eigelstein in Köln unterwegs wäre. Und es fühlt sich fast ein bisschen gefährlich an und ich habe keine Ahnung wo die Frauen die hier herumstehen herkommen und immer steht da ein Mann in ihrer Nähe und natürlich versteht man beim Vorbeigehen überhaupt nichts.

Als der Aufzug auf geht, steht da ein Ali Michael Lookalike und lacht sich kaputt. Hier oben probt eine Balletklasse und noch ein Stück weiter oben ist die Dachterrasse. Hier kann man die Berge sehen, die Kuppel der ETH, Axel Springer und einen leeren Betonparkplatz. Es ist sehr warm und sonnig. Es ist Mai. Ich lade das PC Music, Vol. 1 auf mein Telefon und das Spiel Lifeline und ich setze eine Sonnenbrille auf und ich höre sieben mal hintereinander Beautiful von A. G. Cook und die Sonne scheint und ich kaue ein V6 Kaugummi Green Tea Jasmine.

Später mit M in der Tram und dann im Cafe Grande am Limmatquai. Und ich bin fasziniert, weil sie sich vor vielen Jahren einen RFID-Chip hat implantieren lassen. Am Abend, in einer Galerie, von einem betrunkenen Zahnarzt mit einer riesigen Spritze mit angsteinflößender Spitze, Whiskey hatten sie vorher getrunken zur Betäubung und jetzt – Jahre später – sitzt sie hier und zieht wie nebenbei ihr kleines, schwarzes sehr schönes Telefon aus der Tasche. Es ist ein einfaches Mobiltelefon, einige Jahre alt und ich bin mir absolut sicher, dass es über kein Global Positioning System verfügt. Wir sind hier, am Limmatquai, könnt ihr uns sehen?