Wolfgang Büscher und Ronja von Rönne gehen auf das Beach House Konzert in Heidenau

By Marcus on 1. September 2015 — 2 mins read

Ich habe ein ToDo-Liste geschrieben, es ist dunkel und ich sitze in einem Zug der fast in Bielefeld ist und ich höre die gesamte Zeit Beach House, dieser Satz beinhaltet vier mal das Wort ich. Dabei würde ich liebend gerne lieber über Ronja von Rönne schreiben, über Ben Lerner, über den Heidenau-Text von Wolfgang Büscher. Und über Beach House.

Da gibt es einen New Yorker Text über die Band der in wenigen Zeilen alles einfängt (Then, there’s Beach House. It’s hard to say what they’re like as people, or what their songs mean. But they have created a separate space for new feelings and, in doing so, made our inner lives a little bigger than they used to be) und sich nicht scheut den großen Bogen zu schlagen.

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Ein eingeschobener Absatz fasst kurz die Quintessenz von T. S. Eliots Poesieverständnis zusammen und verweist auf einen Essay „Tradition and the Individual Talent“, was nichts anderes bedeutet, als das der Autor Joshua Rothman problemlos zwischen Shoegaze, Brian Eno und T. S. Eliot hin- und herwechselt und so mehr herausfindet, als andere (“Poetry is not a turning loose of emotion, but an escape from emotion; it is not the expression of personality, but an escape from personality”).

Ein bisschen was von dieser Belesenheit und Deutungsfreude täte sehr vielen Leuten gut, die meine Filterbubble mit eindimensionalen und / oder verquasten Bemerkungen über die junge deutsche Journalistin Ronja von Rönne verstopfen. Mein persönlicher Höhepunkt: Sie sei eine Agentin der Reaktion. Aus welchem zwei mal besuchten Proseminar einer geisteswissenschaftlichen Fakultät Mitte der 1990er diese Diktion wohl entstammen mag? Keine Ahnung.

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Wer auch nur ein rudimentäres Verständnis für (journalistische) Texte mitbringt, sollte relativ schnell verstehen, dass Ronja von Rönne schreiben kann. Mal mehr und mal weniger. Sprunghaft. Aber hey: Escape from personality. Return to personality. Kleiner Einschub: Auf der Morrissey-Single Interesting Drug steht als eingeritzte Botschaft im Vinyl: Seite A: Escape from Valium. Seite B: Return to Valium. Weiter im Text. Aber da ist ein Sound der so angenehm nichts mit Helene Hegemann, dafür aber mit Christian Kracht (1994/195) zu tun hat. Und das ist so viel mehr als ich persönlich im Sommer 2015 in einer gedruckten deutschen Zeitung erwartet hätte. Lese nun mal lieber wie Frédéric Schwilden sich vor Schnipo Schranke ekelt, als das Feuilleton der Zeit tönend vor wohliger Provokation.

Aber wie schlecht ist eigentlich dieser Wolfgang Büscher Text aus Heidenau? Show do not tell. Heißt so eine Schreibregel. Und was macht Büscher. Pfeift drauf. Kann man machen. Aber so?
Wer schreibt hier eigentlich, mit welcher Haltung, mit welchem Interesse und welches journalistische Format nutzt Büscher hier? Ist das eine Reportage? Ein ewig langer Listicle? Oder  ist das eigentlich auch egal wenn man Wolfgang Büscher ist?

Okay, noch kein Wort über Ben Lerner. Macht nichts. Leaving the Atocha Station. Halb. Beach House. I’d take care of you. Take care of you. That’s true