Why pamper life’s complexities

By Marcus on 8. Dezember 2015 — 4 mins read

K und B sitzen in der Villa Contesaa in Bad Saarow, trinken eine Tasse Kaffee und diskutieren: die Emojipocalpyse, Homeless Media, Sara Ludy, DIS, die Berlin Biennale, Jon Rafman, Cody Hoyt und einen Text im Mask Magazine den keiner der beiden gelesen hat.

K: Die allerbeste Artikelankündigung der vergangenen Woche gab es beim Mask Magazine – Six things to do when your favourite trends are dead and your enemies are in power.

B: The evidence of your previous hotness is worthless. Gefällt mir. Den Text natürlich nicht gelesen weil ich keine Subscription habe.

K: Solltest Du.

B: Hast Du?

K: Nö. Instagram.

B: Ich will seit Monaten ein Magazin kaufen das ich mit mir herumtrage, ständig aufschlage, in dem ich alles lese, unterstreiche, Notizen mache, das mein ständiger Begleiter ist, mich beruhigt und inspiriert….

K: …und dann gehst Du in diesen Magazinladen am Rosenthaler Platz und kriegst Beklemmungen weil die Magazine Heidi oder Kinfolk heißen aber nichts verheißen…

B: Und dann kaufe ich die 032c.

K: Bestes Magazin.

B: Schon, ich will aber um alles in der Welt nicht wissen wie das gemacht wird, wer da sitzt und wer das kauft. Ich will meine Ruhe.

K: OK.

B: Auf meinem Telefon ist ein abfotografiertes Magazincover auf dem die Schauspielerin von Arya von GOT auf einer Sommerwiese liegt und zwei Muscheln als Schattenspender über ihre Augen hält. Es geht offenbar um Essen und da steht: Arya Hungry.

K: Voll lustig.

B: Ich habe keine Ahnung wo dieses Bild herkommt, was ich mir da angeguckt habe, ich habe den Kontext verloren.

K: Und deswegen sollst Du ja auch nur Screenshots mit Instagram-Drumherum machen. Erleichtert die Zuordnung. Kannst Du dann noch Jahre später in Suchmsachinen eintippen oder ausdrucken.

B: Ich will eine intelligente Lösung die mir sagt, wann ich welche Accounts hinzugefügt habe, welche ich mir dann noch angeschaut habe und ich will Infos über den jeweiligen Kontext. Wie soll ich sonst rausfinden, wann ich mich einen Nachmittag lang brennend für Keramik, Inneneinrichtung, Lampen und Tische interessiert habe.

K: Als Du in der 032c über Apparatus gelesen hast und dann überall Cody Hoyt gepostet hast.

B: LOL

K: ROFL

B: Kurz nach der Emojipocalpyse war das.

K: Das war auf jeden Fall davor.

B: Ich will zur Biennale nach Venedig, ich will zur Art Basel Miami, ich habe noch einiges vor. Ich denke über einen Neuanfang nach. Ein Studium der Kunstgeschichte, so Feuerzangenbowlen gleich. Erst Botox, danach bei Weekday Rollkragensweater shoppen und dann ein Studium in Heidelberg mit Praxissemester am Louvre. Ich würde einen Reisezuschuss oder ein Stipendium bekommen und ein neues aufregendes Leben führen.

K: You have to have a real fucking clear vision of who you are.

B: Danke mein Hase. Ich will Sara Ludy treffen und ein anregendes Interview mit ihr in einer Hotellobby auf einer Anhöhe in einer europäischen Großstadt führen. Ich würde mir Notizen mit meinem Muji-Filzstift machen. Und wir würden uns gut verstehen und später wäre dann noch eine Party irgendwo.

K: Sie würde Dir unbemerkt KO-Tropfen in deinen Cremant tröpfeln und du würdest erst Tage später in ihrem Dream House aufwachen, weit ab von Zeit und Raum. Allein und verängstigt.

B: Und dann würde es an der Tür klopfen und Jon Rafman stände dann da, würde nervös an seiner Funktionsjacke herumnesteln und den Kopf schief halten.

K: Natürlich auf einem blinkenden Hoverbord.

B: LOL

K: ROFL

B: Der Begriff Must-See 

K: Findest Du Post-Internet oder Post-Social besser?

B: Ich find es voll geil, wenn schlaue Engländer Post-Modernity sagen. Das macht mich fertig, diese Betonung auf er. Abgesehen davon warte ich immer noch auf den einen Text der dieses Post-Internet-Dingsbums endlich einfängt, einordnet, gerade rückt, alles zu dem Thema sagt plus Kurzdefintion, Linkliste.

K: Also so ein Themendossier

B: Ein Wikipedia-Artikel

K: This article may require cleanup

B: LOL

K: ¯\_(ツ)_/¯

B: Iiiiieeeh. Voll schlimm. Shruggie

K: Süddeutsche

B: Bernd Graff

K: LOL

B: „Selbstverliebte Selfiegötter“

K: Schlimm

B: Egal

K: Voll. Streif doch einfach durchs offene Gelände

B: Argh

K: Liest du das eigentlich alles bei DIS?

B: Ich glaube ich finde die Idee gut. Und die Visualität.

K: Stock Photography as Evolutionary Attractor

B: Und in Wirklichkeit sitzen die dann irgendwo rum und kichern und planen eine Hymne für die Berlin Biennale

K: Go West.

B: Eher so was Post-PC-mäßiges

K: Hat Detlef Diedrichsen in so einer Jahresliste als Album des Jahres angegeben

B: Distinktionsgewinne einfahren

K: Ist das nicht vorbei?

B: Last Thursday night at the South by Southwest music festival in Austin, the kids were listening to Evanescence again.

K: Das war im März

B: Acht Tage nachdem Twitter Periscope gekauft hat

K: Machst Du jetzt so einen Jahresrückblick?

B: Mein Jahr mit Ronja von Rönne

K: Erzähl noch mal wie das war als Du die bei Monsieur Vuong gesehen hast

B: Sie hat geraucht

K: Ach

B: Der Text über Vice war gar nicht so gut

K: Und der mit der AFD-Demo

B: Und diese komische Schriftstellereiliste

K: Am besten war dieses Interview in Klagenfurt.

B: Lass mal gehen.

K: Im Februar oder so kommt ein neues Buch von Christian Kracht.

B: Willst Du ein Geheimnis?

K: Yes

B: Ich habe eigentlich kein einziges Kracht-Buch zuende gelesen

K: Macht nichts.

B: Macht nichts.

Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn K. und B. – dann zurück in Berlin – beschließen auf eine Art Festival zu gehen, sich fragen wann es bei Bedford Stop endlich weitergeht und das erste Mal in ihrem Leben einen biologisch abbaubaren Kaugummi bei der Bio Company kaufen.