By Marcus on 16. September 2011 — 1 min read

We want swimming. Spandau. Johannesstift. Ein Staat im Staate. Mit Friseur, Gärtnerei, dem Haus der Schwestern und Brüder und dem Café Gartenlaube. Ein autarkes System. Wie der Katthult Hof in Småland, die Benediktinerabtei in Bingen oder Rothenburg ob der Tauber. Wenn die Welt drumherum entschwindet bleiben diese Inseln. Hinter Rosenbüschen. Für immer.

Auf Position Eins der Fernsehfernbedienung ist Stiftstv – ein Livestream der Gottesdienste. Leere Reihen. Vorne ein Mann in einem elektrisch steuerbaren Rollstuhl. Dieser Mann biegt ab, überholt und entschwindet. Später – als es dunkel wird und hinten bei der Pferdekoppel ein Auto immer näher kommt. Es hat die Farbe einer jungen ungewaschenen Aubergine und dadrin sitzen vier Litauer, zumindest steht das auf dem Nummerschild, die beiden hinten schlafen. Die beiden vorne sehen nicht sehr wach aus. Do you speak English? Fragt der mit der Glatze. Keine Ahnung was das hier werden soll. Fenster halb runter, die Gesichter hinten verdeckt. Wir sind hier irgendwo bei der Pferdekoppel auf einem Feld. Hier ist nicht mal ein Weg, Mann.

We want swimming, sagt der daneben. Sieht aus wie die hagere Version des norwegischen Popsängers Morten Harket. In jung. Zigarette. Hohlwangig. We want swimming. Was für eine unfassbare Forderung. Es wird dunkel. Es wird Herbst. Und es wird kalt. Hier ist Spandau. Keine Ahnung wie man zum See kommt. Irgendwo da hinten. Litauen 1043 Kilometer. Irgendwo da hinten. 

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