Virtual Reality & Journalismus 2015

By Marcus on 21. Dezember 2014 — 2 mins read

Leider sind deutsche Journalistinnen und Journalisten allzuoft langsam, desinteressiert und uninformiert,
wenn es um technische Innovationen und gegenwärtige Gestaltungsmöglichkeiten der eigene Branche geht.
Schade.

Das 21. Jahrhundert ist die Epoche der Augenzeugen, schreibt Kurt Kister, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung in einem aktuellen Artikel. Leider fällt ihm dann nicht viel mehr ein, als kulturpessimistisch dreinzublicken, um zu konstatieren: „Wenn heute drei versammelt sind, glotzen zwei ins Smartphone und einer tippt eine SMS.“ Dies – so fährt er fort – sei kein Werturteil, sondern eine Beschreibung.

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Natürlich ist der Begriff „Glotzen“ erstens nicht wertneutral und zweitens ist das auch nicht sonderlich gut beschrieben, denn wenn heute drei versammelt sind, dann schreibt da niemand eine SMS, sondern nutzt aller Wahrscheinlichkeit WhatsApp. Und wenn Kurt Kister kurz mal nebenan bei Nieman nachschauen würde welche Relevanz WhatsApp in seiner Branche hat, haben kann und haben wird, dann wäre seine Zeit besser damit verbracht diese Artikel zu lesen und sich zu überlegen was das für seinen Arbeitgeber bedeutet, statt lang und breit Bilder einer Rockoper von 1971 zu bemühen, um am Ende festzustellen, dass irgendwie alles nicht so gut ist, wie irgendwann mal erhofft.

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An anderen Orten machen sich eine ganze Reihe schlauer Menschen (bspws. Raney Aronson-Rath, Dan Archer) derweil Gedanken wie man u.a. Augenzeugenberichte nutzen kann, um der von Kister herbeigesehnten Aufklärung vielleicht doch ein kleines Stück näher zu kommen. Durch Recherche, Verifizierung und einer Darstellung die neuste technologische Möglichkeiten ausnutzt. Unter anderem durch die Kombination aus Comic Journalism und einer Game Engine wie Unity. Das braucht man natürlich nicht immer und überall, aber die sich hier andeutenden Möglichkeiten könnten einen schon faszinieren, wenn man nicht immer noch damit zu tun hätte, die Folgen der flächendeckenden Verbreitung von Smartphones skeptisch zu beobachten während sie andernorts selbstverständlich nicht mehr nur unter „Mobile First“ laufen, sondern unter „Mobile Only“. Ein weites Feld. Und deswegen hier nur:

Dringende Linktipps für Kurt Kister und andere – für mehr Optimismus, Technikneugier und ein zeitgemäßes 2015:

  • A new experimental project by Fusion, in conjunction with Empathetic Media and the Reynolds Journalism Institute, showcases the potential of using virtual reality and game development tools as an apparatus for reporting real-world events. (Kill Screen)
  • This virtual-reality experiment lets you walk around the Ferguson shooting scene (Fusion)
  • Will virtual reality deliver a journalism experience and immerse our audience in the story in a way we couldn’t before?  (Nieman)
  • The Last Medium Virtual reality is here. Inside the worlds dreamed up by Hollywood’s most radical storytellers (California Sunday Magazine)
  • Journalismus und Virtual Reality: Wenn die Realität wirklich wird (Netzwertig)
  • Is Virtual Reality The Future Of Journalism? (Creators Project)

„Ich versuche in der Gegenwart zu leben, weil die meisten Leute in der Vergangenheit leben. Wenn du in der Gegenwart lebst, denken die Leute, du lebst in der Zukunft, weil sie nicht wissen, was in ihrer Zeit passiert.“ Lynn Hershman Leeson

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