TL;DR

By Marcus on 17. April 2014 — 2 mins read

So Leute. Es wird nicht mehr gemeckert. Die Zukunft ist da. Herausgekommen ist ein Hybrid aus Cross- und Multi- und Transmedia, leicht angamifiziert, mit Bedacht gebastelter User Experience, alles responsiv für mobile Endgeräte optimiert, dem Natural User Interface verpflichtet und es wird nicht gekleckert, sondern geklotzt und Comics und Graphic Novels sind auch mit dabei und Scrollitelling nach oben und nach unten und zur Seite gibt es auch.

Aus allen Rohren schießen. Wir machen es, weil wir es können, weil ihr es wollt und es ist heißer Scheiß dabei herausgekommen. Oder so.

Bildschirmfoto 2014-04-17 um 11.47.33
In den letzten Tagen gab es im deutschen Sprachraum einige digitale Veröffentlichungen wie Netwars und Mein Vater ein Werwolf die alles oder zumindest ganz viel richtig machen. Storytelling. Ein Shit look at that Moment am Anfang. Beide bieten echten Mehrwert. Sind poliert, haben ein gutes Sounddesign undsoweiterundsofort.

Leider – und das schreibe ich ohne Häme – reicht meine Aufmerksamkeitsspanne gerade jeweils maximal zwei Minuten. Und ich habe ein mehr oder weniger professionelles Interesse an den Teilen. Bei Netwars werde ich persönlich erschlagen mit Optionen – unklar ist mir wie diese ganzen medialen Einzelbestandteile zusammengehören. Das mag eine Minderheitenmeinung sein, aber ich habe das Gefühl, dass hier der Fehler vieler klassischer Portale noch mal neu begangen wird. Und der lautet: Die Navigation für den Nutzer repräsentiert die Struktur der Organisation. Will sagen: Mir ist unklar wie  und ob alle Einzelbestandteile zusammengehören. Mein Mehrwert ist mir nicht klar. Den Werwolf finde ich interessant, aber ich sitze im Büro und nutze das falsche Gerät und hab gerade keine Zeit für Lean-back-Entertainment. Und dann denke ich noch etwas was Nutzer – glaube ich – oft denken: „Ach so, so was mit Comic, schon mal gesehen, interessant, aber schon mal gesehen…“

Bildschirmfoto 2014-04-17 um 11.59.48Snack-Modus. Ich bin im Snack-Modus. Gebt mir kleine Häppchen. Fingerfood. Habe beide Projekte zwar gebookmarkt oder wie man so was inzwischen nennt, aber ich hab keine Ahnung ob ich mich überhaupt daran erinnere, wenn es dann so weit wäre. Auf meinem Schirm hatte ich heute morgen

Noch mal: Keine Häme. Respekt für aufwendige, komplexe und schicke Projekte. Aber die Frage die ich mal irgendwo im Kontext Game Design gelesen habe, bleibt: Wie lange soll ich mit der Produktion eines Produkts verbringen, wenn der Nutzer es maximal 20 Sekunden lang anschaut. Kann man sehr schön und schnell totschlagsmäßig wegdiskutieren (Aber dann gäbe es keine Mona Lisa und überhaupt), aber eine Frage die man sich in Anbetracht von Horden Candy Crush spielender Pendler stellen muss: Warum? Warum sollen sich Leute mein Produkt anschauen und damit Zeit verbringen?
Warum? Warum? Warum?

Und dann aber auch. Wen interessieren überhaupt Nutzer. Es gibt einen Artikel von Marc Fischer in einer uralten Ausgabe des Magazins Tempo, er handelt von Joghurt und es gibt einen Artikel von Christian Kracht in einer ebenfalls uralten Tempo. Seit dem ich diese Artikel gelesen habe, habe ich nie wieder ein Joghurt gegessen ohne an den entsprechenden Artikel zu denken und ich habe nie wieder das Rollfeld eines Flughafens betreten ohne an diesen entsprechenden Artikel zu denken. Vielleicht geht das Menschen ja auch so mit Netwars oder mit dem Werwolf. Ich weiß es nicht.

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