Time Capsule

By Marcus on 14. Januar 2015 — 1 min read

Apple hat ein Gerät, das den Namen Time Capsule trägt. Das verspricht drahtlose Datensicherung, liegt irgendwo in der Wohnung herum, staubt ein und soll einem im Bedarfsfall helfen, frühere Versionen des Rechners mit allen zum damaligen Zeitpunkt gespeicherten Daten zu retten. Ein schönes Interface lässt einen dann vor rosig-schwarzem Universum 3D-like durch die Zeit reisen.

Meine Time Capsule verabschiedete sich allerdings irgendwann, war kaputt, ging nicht mehr. Und jetzt schleppe ich einen weißen Plastikkasten von Wohnung zu Wohnung. Ein Kasten der für nichts gut ist, sein Geheimnis nicht preisgibt, keine Ahnung was sich für Informationen darauf befinden. Lange nicht mehr gehörte Lieder, alte Emails und unnütze Ordner die mal der Ordnung dienen sollten und letztlich in anderen Ordner Platz fanden, die wiederum in neuen Ordner abgelegt wurden. Verschoben. Verdrängt. Verlassen. Vergessen.

Das Phänomen Zeitkapsel ist menschlich. Das Festhaltenwollen, das Bedeutsam bleiben wollen, das Überliefern, das Ablegen und Aufheben. Und Finden und Entdecken. Einfach gerade relevante Dinge in eine Kapsel stopfen und im Innenhof vergraben. Für die Nachwelt. To whom it may concern. Forget me not. Fraglich ob die Dinge, als Ding an sich, ausreichen, um ohne Kontext irgendwann mal in einem neuen Kontext (richtig) verstanden zu werden.

Was würde man jetzt einpacken, aufheben, überliefern wollen? Bringt einen schnell zu der Frage: Wie ist es überhaupt jetzt gerade und was davon ist typisch und zeitgemäß oder wichtig?

Dieses Ausgangsüberlegungen sind auf jeden Fall der Grund für ein kleines Projekt, das Kollege Steffen Leidel und ich, mit den Volontären der Deutschen Welle in der kommenden Woche umsetzen wollen. Jedes Jahr fabrizieren wir mit dem jeweils aktuellen Volojahrgang ein multimediales Produkt – bestehend aus Text, Ton, Bild und Video. Wichtiger als das technische Know How ist in den letzten Jahren der Aspekt Storytelling geworden. Was erzählt man da überhaupt und warum und wem?

Die Zeitkapsel-Idee soll zum Geschichtensuchen und Reflektieren abseits von toterzählten Google News Stories einladen. Ein Gedankenexperiment das relevant ist. Und im Idealfall irgendetwas Bleibendes schafft. Etwas, was man in 1,5,10 oder 100 Jahren noch mal anschauen kann, um dann einen neuen Gedanken zu haben.