Supernatural Entertainments

By Marcus on 21. März 2017 — 3 mins read

Zwei aktuelle Artikel über Computertechnologie, ein Media Archaeology Review Essay und helle Aufregung.

In meinem Bett steht ein Rhinozeros. Es steht da rum, schaut mich an, schüttelt den Kopf. Und trottet davon. Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte.

Mit der App Augment kann man sich mit seinem Telefonscreen 3D-Modelle in die Umgebung stellen und skalieren. Einen Coca-Cola Kühlschrank, eine Gottesanbeterin oder einen Ventilator. Bislang sind diese Objekte statisch und stehen etwas unwirklich in der Gegend herum. Sehr leicht hier underwhelmed zu sein. Alle AR-Anwendungen bei denen man mit seinem Telefon einen krude anmutenden QR-Code oder ähnliches scannen muss bzw. erst mal umständlich eine App herunterladen muss, nur um dann auf wenigen Zentimetern Screen irgendwas zu sehen was gar nicht da ist, ist jetzt noch nicht so toll.

Aber bald werden wir eine Mixed Reality haben und wir werden wählen können, welche Elemente von welcher Realität wir darin haben wollen. Sagt der Leiter von Oculus’ Forschungsabteilung Michael Abrash. Die Realität, so Abrash, werde vollständig modifizierbar.

Und in dem riesigen leeren Museumsraum mit weißen Wänden und einem Holzboden wird eine überdimensionierte Schildkröte stehen, ein Salatblatt zermalmen, langsam entschwinden und sich am Ende noch einmal den Hals strecken, sich umdrehen und uns anschauen.

Der nächste Paradigmenwechsel im Bereich Computertechnologie steht an. The Fourth Transformation. Wenn man die ganze Zeit Vrodo liest, liest man ständig Artikel, in denen solche Dinge drinstehen. Und dann guckt man sich diese Demos an und dann braucht man ein kleines bisschen Phantasie und Abstraktionsvermögen und dann kann man sich auf einmal sehr sehr viel vorstellen. Dinge die sich nach Alice im Wunderland anhören, nach Science Fiction und sehr viel Wahnsinn, aber all das wird es geben. Wenn wir diese Dinge bauen, gestalten, umsetzen und ausprobieren.


Diese Apple-Demo mit all diesen Infos über der Stadt verzichtet bewußt auf die jeweiligen Absender und sieht aus wie eine freundliche Werbung, genau das ist sie ja auch. Aber wenn wir Informationen an einem Ort ablegen, denn die Information hat die Ortsmetadaten ja sowieso schon, dann können wir in Paris auch Erinnerungen ablegen, die unsere Enkel dann abrufen können.

Hier sind Deine Großeltern am Anfang des 21. Jahrhunderts vor dem Eifelturm, das sind wir, mit unseren Frisuren, unserer Kleidung, unserer Musik und all dem. Schau es Dir als Hologramm an. Wie schmerzhaft und/oder beruhigend und/oder komisch und/oder normal und/oder auch schön wird das sein? Wird es multisensorisches Feedback geben? Wie riecht Paris 2018 im Jahr 2118?


Die Kombination von augmentierter, virtueller und realer Realität kann meiner derzeitigen Ansicht nach nur als–  je nach Situation angepasstem – Kontinuum gesehen werden. Mein HMD / meine Kontaktlinse wird irgendwann beides können, je nach Situation.


Wohin die Kombination aus real real und ähm anders real führen kann? Prediction 31: In 2025, Robots will touch you in VR, and you’ll like it! Sagt Jesse Shell in seinen 40 predictions for 2025. Und Barcelona eröffnet erstes Bordell mit Sexpuppen: Bildzeitung 28.2.2017. Vgl. dazu auch das aktuelle Disney-Research-Paper mit der schönen Formulierung: dynamic object interactions in VR.

Kluitenberg argues in his introduction to this collection (Book of Imaginary Media) that media are “partly real and partly imagined,” too. As a consequence, communications media should be considered not only technological devices, but also “compensatory machines,” sites onto which various types of irrational desires are projected. According to Kluitenberg, historians should struggle to document not only the technical history of media, but also the uncertain paths of human inspirations, which are frequently connected to the ideation and production of technical artifacts. Despite a certain vagueness of its claims, Kluitenberg’s project of “the archaeology of imaginary media” has been extremely influential in recent media studies. Embracing non-existing media that were imagined by futurologists and science fiction writers, speculations about existing technologies, and cultural desires connected to the development of communications media, this is a flexible and tempting framework for scholars addressing the issue of what Carolyn Marvin called “media fantasies” (1988, p. 7). PDF-Version / Simone Natale / *.