Roboter und Affen

By Marcus on 30. November 2014 — 1 min read

Jeden morgen sendet Medium einen Newsletter. Das passt zeitlich sehr gut gerade, ich werde früh wach und in der Wundertüte ist immer etwas mit dabei. Heute Minimalism bei Robots. Presented bei BMW. Und ich möchte BMW gratulieren, denn diese Medium-Serie die meines Wissens oder zumindest für mich persönlich mit einem Artikel von Ian Bogost began, ist sinnvoll investiertes Geld. Gut gemacht. Wenn ich dann mal soweit bin, kaufe ich mir einen BMW.

So. Ein Roboterarm malt jetzt minimalistische Bilder. Andere Roboterarme haben vorher die Tora, die Bibel oder Portraits geschrieben / gemalt, mit Menschen getanzt (robotlab), der Kanzlerin die Hand geschüttelt oder eine ordentliche Sauerei mit Ketchupflaschen angestellt.

Bildschirmfoto 2014-11-30 um 09.07.45
Die Begeisterung darüber gleicht ein bisschen der Begeisterung über malende Affen – von denen es übrigens ganz schön viele gibt. Ungefähr jeder Zoo scheint da mitzumachen. Kurzer Einschub: Die Marketingidee von Samsung einem Affen eine Facebook-taugliche Kamera in die Hand zu drücken – siehe hier – finde ich weniger gelungen.

Verwunderung, ein bisschen Angst, ein leichter Schauer und das beruhigende Gefühl, dass die Spezie Mensch auf der richtigen Seite der Gitter steht und sich diesen Roboterarm ja Kraft enormer Gedankenleistung und emsigem Fleiß selbst hervorgebracht hat.

„Friend“ heißt der Assistenzroboter, „Freund“: unermüdlich, fleißig, klaglos (*).

Bildschirmfoto 2014-11-30 um 09.07.55Musste zuerst an Roman Opalka denken, weil der Aufwand, die Dauer, die Härte und der beabsichtigte Zweck seiner lebenslangen Übung die Roboterarmbasteleien überdauern werden: Mit bloßem Augenmaß schrieb Opalka im Jahr 1965 mit titanweißer Farbe und dem kleinsten verfügbaren Pinsel auf dunklem Grund die Zahl „1“ in die linke obere Ecke einer eigens dafür vorbereiteten Leinwand und begann so, nach der Gewohnheit unserer abendländischen Schrift von links nach rechts und weiter von oben nach unten in Richtung unendlich zu zählen. Nehme an, dass irgendein Kunststudent die Arbeit 1965/1–∞ im Jahr 2015 unter Verwendung eines Roboters nachbauen wird.

Danach musste ich an das Paidia Institute denken, dessen Installationen rund um geschlossene Feedback-Systeme für mich so viel spannender sind, als Roboterarmbasteleien.

Geschlossene Systeme. Es gibt kein Entkommen. Zwei Playstation zwei, die sich bis zum Ende aller Zeiten gegenseitig öffnen und schließen. Man könnte den Stecker ziehen, das Notstromaggregat zerstören und nur Roman Opalka würde weitermalen – weißer als weiß auf weißem Untergrund, mit einem Pinsel (Nr. 0).