Réfugiés

By Marcus on 22. September 2014 — 1 min read

Ich habe ein so genanntes Newsgame gespielt. Ich sah es auf der Seite der Süddeutschen. Es wurde als Online-Newsgame betitelt und dann gab es eine Art Bild-Slider und darauf lag ein eingebettetes YouTube-Video. Nebenan blinkte Lady Gaga mit Tony Bennett in einer Bannerwerbung. Und das alles sah nicht gut aus und fühlte sich an wie eine Multimedia CD-Rom. Und das ist schade. Denn es hat bestimmt einige Zeit, Geld und Arbeitskraft gekostet dieses Ding umzusetzen.

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Meiner Ansicht nach handelt es sich hier allerdings um eine Web Documentary und nicht um ein Newsgame mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass es hier eigentlich keine zielführende Game Mechanik gibt und die Interaktion sich letztlich auf das Auswählen von linearen Video-Schnipseln beschränkt. Es gibt gewisse explorative Elemente (Karte), allerdings führt die sehr beschränkte Handlungsfreiheit letztlich immer zu einem linearen Video (Custscenes). Dazu gibt es Feedback im Stile von: Du hast ein tolles Interview geführt. Habe ich aber gar nicht. Ich habe dabei zugesehen wie jemand anderes ein Interview geführt hat.

Dazu ein überfrachtetes User Interface mit sehr viel Schnickschnack. Leider werden nirgendwo die zentralen Vorteile von Games als Medium genutzt: das eigene Erleben, das autonome Herausfinden oder die Auseinandersetzung mit einem System. Hier werden lineare Versatzstücke mit einer schwachen Game-Story verschmiert. Heraus kommt ein Produkt das sich bevormundend, gut gemeint und durchdidaktisiert anfühlt. Eine Produkt das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, die wahren Vorteile des Mediums Spiel nicht aufgreift und letztlich einfach falsch gelabelt ist.

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Statt das spannende und relevante Thema Flucht, Migration und Lager aus allen Rohren schießend multimedial zu erdrücken, hätte eine Orientierung am Beispiel Cutthroat Capitalism von Wired gut getan.
Eine Reportage, eine Datenvisualisierung und ein Game die sich ergänzen. Weniger ist mehr. Hätte man doch den Comic Zeichner einen Protagonisten zeichnen lassen und die Game Mechanik auf das explorative Finden einer zweiten Figur beschränkt. Vielleicht wäre da was Gutes herausgekommen. Die Motivation aus vorgestanzten Bestandteilen eine „eigene“ Multimediareportage zusammenzuklicken die danach online steht hat in etwa den Reiz eines 5-Teile Puzzels, das danach mit dem eigenen Facebook-Profil versehen die Arte-Seite schmückt. Well.

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