PIQD

By Marcus on 22. November 2015 — 8 mins read

Seit einigen Tagen mache ich bei einem neuen Ding im Internet mit. Es heißt piqd. Und es handelt sich dabei um einen Aggregator. Die Idee ist bestechend schlicht.

So genannte Experten empfehlen jeden Tag maximal einen Artikel zu einem Thema und begründen ihre Entscheidung. Ich empfehle Texte und Artikel in der Rubrik Games. Unter anderem zusammen mit Christian Huberts. Das macht bis jetzt Spaß und ist aufschlussreich. Hier meine ersten Texte.

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Schieß doch – Eine skizzenhafte Reflexion über den Einsatz von Waffen

Pippin Barr macht eigenartige Spiele. In einem tanzt man Sirtaki. In einem anderen spielt man Saxofon. Und in einem dritten macht man Kunst.

Pippin Barr ist Game Akademiker und lebt auf Malta. Sehr viele Menschen zucken mit den Schultern, wenn man ihnen Spiele von Pippin Barr zeigt. Ein paar rasten allerdings fast jedes mal aus und lobpreisen ihn.

A Series of Gunshots ist eine minimalistische Reflexion über Schusswaffen und den Ekel den man vor ihnen haben kann. Das Spiel ist sehr schlicht. „A dark, thoughtful piece on gun violence“, schreibt Leigh Alexander bei Boing Boing. Die Kommentatoren auf Reddit sind sich einig: Was soll der Mist?

Abseits jeglicher lauwarmer Killerspieldebatten reflektiert Barr hier mit minimalem Aufwand sehr eindrücklich den Gebrauch von Waffen im Spiel und IRL. Und wie immer bei großer Kunst passiert das Eigentliche nicht auf dem Screen, sondern wenige Zentimeter hinter dem Auge des Betrachters. Link.

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Minimalistisches Meditieren mit Mini Metro

So. Als erstes mal kurz hier den Soundtrack für die folgenden Zeilen anwerfen. Der Fotograf Wolfgang Tillmans hat vor ein paar Jahren ein Musikvideo für die Pet Shop Boys gedreht. Es handelt im wesentlichen von einer Maus die in der Londoner U-Bahn wohnt und dort unter anderem eine Schokoriegelverpackung entdeckt und einen Freund trifft.

Die U-Bahn, eines der schönsten Verkehrsmittel der Welt. Sie bringt einen nach Hause, sie ruckelt und dampft, es gibt Durchsagen und immer irgendwas zu sehen. Schöne Mädchen und stattliche Männer oder Noel Gallagher der zu einem U2-Konzert fährt.

Das Beste an U-Bahnen ist natürlich der U-Bahn Plan. Minimalistisches Design, das jede noch so hässliche Stadt auf das Wesentliche herunter bricht, Klarheit und Ordnung schafft.Das kleine schöne Spiel Mini Metro lässt Spielerinnen und Spieler mit einem zunehmend komplexer werdenden System interagieren. Das ist beruhigend und erfüllend. Kleine U-Bahnen rasen von A nach B und über C auch nach D und E. Viele Menschen kommen so an ein Ziel. Home and Dry. Link.

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Escher Me Softly – Ein Spiel wie ein absurder Architekturplan

Maurits Cornelis Escher erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Game Designer. Und wer dachte, dass mit Monument Valley perspektivische Unmöglichkeiten, optische Täuschungen und multistabile Wahrnehmungsphänomene interaktiv aus erzählt worden seien, der hat die Screenshots von Manifold Garden noch nicht gesehen.Inspiriert durch die Arbeit Relativityvon Escher, hat William Chyr – der Wirtschaft und Physik studiert hat, um danach als Jongleur und (Zauber-)künstler zu arbeiten –  angefangen an einem Game zu arbeiten. Kommt im nächsten Jahr für PC und Playstation 4. So lange kann man sich den Entwicklungsblog anschauen. Link.

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Sagaland ist abgebrannt – Ein Text über Brettspiele

Kleines Geständnis: Ich habe keine Ahnung von Brettspielen. Und seit Monopoly und Spiel des Lebens mit ungefähr zwölf hat mich in dem Bereich auch nichts mehr gekriegt oder begeistert. Wobei ich hinzufügen muss, dass meine Aufmerksamkeitsspanne im Bereich Board Games bei gefühlten 2,4 Sekunden liegt. Oder lag. I was sitting in the middle of a crowded coffee shop, and my wife was holding a gun to my head. So fängt ein Artikel neben an bei Vice an.Offenbar ist seitHotel und Sagaland, dem Spiel des Jahres 1982, einiges passiert. Der sehr schlaue Sebastian Deterding sagt das seit Jahren: Brettspiele muss man spielen, um Spiele besser zu verstehen, besser selber zu machen und natürlich um Qualitätszeit (quality time) mit Menschen und Mettigeln zu haben. Achtung, jetzt kommt ein Aufruf zur Interaktion: Habt Ihr ein empfehlenswertes Brettspiel? Und damit meine ich jetzt nicht die Siedler…Link.

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Ein Spiel über Zensur, Korruption und Zeitungen

Skövde ist eine Stadt in der schwedischen Provinz Västra Götalands län und hat ein bisschen mehr als 30.000 Einwohner. Zwei davon entwickeln seit 2013 unter dem Namen Double Zero One Zero Games die Tiny Angry Eyecandy Saga oder Terminal System Seven heißen.In angeblich 72 Stunden haben Ponuts Lunden und Kristian Brodal 2014 eine erste Version ihres so genannten Zensur Simulators zusammengebastelt. Er heißt The Westport Independent, hat für einige Aufmerksamkeit und Preise gesorgt und soll bald als erstes kommerzielles Spiel des Studios bei Steam veröffentlicht werden.

Ein Publishing Deal mit dem Goat Simulator Entwickler Coffee Stain Studios ist unter Dach und Fach. DRadio Wissen stellt das Spiel vor und einen Trailer gibt es gleich mit dazu. Link.

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Mach irgendwas Sinnvolles, etwas Bemerkenswertes

Wer Spiele nicht nur spielen will, sondern verstehen möchte was derzeit an der Front so genannter Indie Spiele so passiert, dem sei dieser Text empfohlen. Dieser Text sei auch allen empfohlen die keine Spiele, sondern andere Sachen machen und versuchen, damit ihre Miete zu bezahlen. Denn hier stehen ein paar einfache und universelle Wahrheiten drin:“Nobody knows anything. General advice about game development is always a tale told by an idiot.“ Oder wie wäre es hiermit: „The worst thing you can do is spend your time making something unremarkable.“ Amen. Link.

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Wir werden gemeinsam in die Sonne fliegen. Und am Ende verglühen

Es gibt keinen aktuellen Aufhänger für diese Mitteilung hier. Trotzdem. Sofort alles stehen und liegen lassen. Und Race The Sun herunterladen. Seit Tagen mache ich nichts anderes, als mit meinem Raumgleiter der Sonne entgegen zu fliegen.Ich bin vermutlich bereits mehr als 5000 mal mit meinem formschönen Raumschiff an einem Hindernis zerschellt. Das ist mir vollkommen egal. Ich mache weiter. Dieses Spiel ist schlicht und schwer und es schafft, was nur guten Spielen gelingt. Es transportiert ein Gefühl, es katapultiert einen in eine andere Dimension. Es macht einen fertig. Und es macht einen glücklich. Ich habe mir YouTube-Videos von Menschen angeschaut, die dieses Spiel spielen und besser sind als ich. Ich habe Bahnhöfe im Zug sitzend an mir vorbeiziehen lassen, um weiterzuspielen. Ich habe mich gefühlt wie Luke Skywalker allein in diesem lächerlichen Raumgleiter beim Angriff auf den Todesstern. Race The Sun ist ein gutes Spiel. Bei Steam, für die Playstation oder als iOS-App. Link.

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Um alles in der Welt was soll ich tun? Spiel ein Spiel!

Im Englischen gibt es den tollen Begriff Bias. Der lässt sich nicht so richtig super übersetzen. Auf jeden Fall sind wir alle „biased“, wenn wir Entscheidungen treffen. Hier ein Beispiel: Ich geh‘ nicht ins Einrichtungshaus Poco Domäne, weil Daniela Katzenberger dafür wirbt. Ich geh‘ zu Ikea, weil es da astreine Hot Dogs gibt. Oder so ähnlich. So eine voreingenommene Haltung ist nicht immer von Vorteil. Aber wie wird man sie los? In dem man Computerspiele spielt. Sagt ein Team aus exzellenten Wissenschaftlern, die vier (!) Jahre lang dazu geforscht haben. Rausgekommen sind zwei Computerspiele. Und die sind bei 234 erwachsenen Probanden effektiver als das Anschauen eines 30-minütigen Videos mit dem Titel „Unbiasing Your Biases“. Auftraggeber der Studie war übrigens die Intelligence Advanced Research Projects Activity (IARPA), einer U.S. research agency under the Director of National Intelligence. Die Harvard Business Review schreibt darüber. Das heißt vermutlich: Die Eliten westlicher Industrienationen werden in Zukunft mehr spielen. Und ganz eventuell vielleicht – bessere Entscheidungen treffen. Link.

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Gefangen in der Virtuellen Realität. Und aus Deinen Augen schießen Kugeln.

Wo fangen wir da jetzt an? Auf der Suche nach einem Spiel für mein mobiles Endgerät bin ich ziemlich schnell bei Smash Hit gelandet. Man fliegt da durch eine geometrische, ganz sicherlich postapokalyptische Welt, ach was, man fliegt durch die Matrix, einen Ort der anders aussieht als alles was man kennt, man fliegt durch die Tempel einer außerirdischen Kultur und es gibt komische Glasobjekte und sich von allein öffnende und schließende Portale. Dazu ein Soundtrack der klingt als ob Jean Michel Jarre Sex mit Rustie hatte. Soweit gut? Dann wird es jetzt noch besser. Denn ab jetzt kann man Smash Hit in einer VR-Version spielen. VR? Virtuelle Realität. Eine Art Skibrille und dann ein freier Blick und aus den eigenen Augen schießen Metallkugeln die man braucht, um durch diesen ganzen Irrsinn heil durchzukommen. Das entspannt. Und bereitet einen ideal vor. Auf das Jahr 3000. Link.
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Bewahre Deine Menschlichkeit. Aber töte die Zombies.

Lineares TV ist tot. Die Leute gucken Serien. Den lieben langen Tag. Und die Nacht gleich mit. Und wenn sie damit fertig sind – die Serie leergeschaut, die Augen quadratisch, die Chipstüte leer – dann folgt diese Leere, diese unglaubliche Leere. Was kommt dann? Das Spiel zur Serie. Bevor hier jetzt jemand schreiend wegläuft, weil Spiele zu Filmen und Spiele zu Serien allzuoft ganz fürchterlich sind – erinnert sich hier noch jemand an das E.T. Spiel – dem sei „The Walking Dead: No Man´s Land“ empfohlen. Die Produzenten von AMC und die Entwickler von Next Games Oy haben sich hier was ausgedacht und dabei ein paar Sachen richtig gemacht. „The show is well reflected in the game,“ sagt der senior vice president of digital media for AMC, und „a lot of attention was paid to the smallest details like facial expression and making sure people are wearing the right clothes.“ Das ist schon mal gut. Noch besser: „the game is meant to parallel the timeline of season five and season six.“ Anderer Erzählstrang, aber die gleiche Story World plus Überschneidungen. Klingt vernünftig und lädt hier zumindest gerade runter…Link.
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Es ist 1978. Du heißt Lella und fährst an die französische Riviera.

Du hast Olga mit im Gepäck, du hast sie in der Disco kennengelernt. Ihr fahrt rum, nehmt Anhalter mit – und redet. Muss man noch mehr sagen? Will jetzt hier noch irgendjemand Candy Crush spielen? Wheels of Aurelia ist ein Autoren-Game. Das ist sowas wie ein Autorenfilm, nur eben als Game. Zum Mitmachen. Schnapp Dir ein Auto und fahr los. Wir sind hier im Italien der späten 1970er Jahre: sozialer Wandel, Feminismus, UFOs und der Papst – es gibt so viel zu reden. Mit schrägen Charakteren und lenken muss man ja auch noch. Alles was man jetzt noch braucht ist ein Päckchen filterlose Gauloises und einen freien Nachmittag. Wheels of Aurelia gibt es als Beta-Version bei Steam. Zigaretten und einen italienischen Rotwein im Supermarkt. Link.