Newsgames

By Marcus on 17. Dezember 2015 — 2 mins read

Die Entwicklungen und Vorkommnisse im Kontext Newsgames im Jahr 2015 lassen sich vielleicht in einem einzigen Tweet zusammenfassen. Ian Bogost hat ihn am 14. Dezember um 15:37 formuliert. Er besteht nur aus zwei Worten.

Oh No. Bogost kommentiert so ein Newsgame der Washington Post. Floppy Candidate wird auf der Website des renommierten Nieman Lab positiv besprochen. Man fragt sich warum. Wird hier doch zum erst besten und vielfach bereits ausprobierten Rezept (irgendein erfolgreiches Spiel + irgendein journalistischer Inhalt) gegriffen. Das  geht so natürlich nicht auf und nutzt nicht mal im Ansatz die Möglichkeiten prozeduraler Rhetorik. Schade.

Leider

„I’ve been doing this for how long? And still, here we are, same place as 2000, 2004, 2008, ….“, schreibt Bogost in einem weiteren Tweet. Natürlich hat er recht. Und natürlich werden die allerersten Prediger nie gehört. Die Entwicklung im Kontext Newsgames vollzieht sich, wie hier irgendwo schon mal angemerkt, in Zyklen.

Und – eine weitere Beobachtung – es kommt immer irgendetwas anderes raus, als das was man erwartet hat. So wurde just heute ein Game zum Neo Magazin mit Jan Böhermann gelauncht. Sicher kein Newsgame. Aber ein Adventure zu einer satirischen Late-Night-Show in einem Spartenausleger des ZDF. Warum nicht.

Newsgames Literacy

Auch wir als the Good Evil haben dieses Jahr für das ZDF, genauer die Heute Show, zwei Game Konzepte erarbeitet und umgesetzt. Der Metadatensauger nutzt ebenfalls eine bekannte Spielmechanik (nämlich Snake), bietet aber aus unserer Sicht mehr als Floppy Candidate. Das Problem hier ist: Mit wem diskutieren wir das? Und wer diskutiert das überhaupt? Wo ist die Newsgames Literacy?

Bisweilen verbleibt die Auseinandersetzung mit dem Thema auf dem Stand einer simplen Symbolpolitik. Hier die, die begeistert die Zukunft proklamieren und die Gleichung Games gleich frisch und jung aufmachen. Dort die, die Spiele einfach mal pauschal ablehnen, weil es sich hier um Spiele handelt. Ein Zustand der derzeit eigentlich für die gesamte Debatte rund um das Thema Games gilt.

Don´t cry

Egal. Es hilft nur: weitermachen, ausprobieren, drüber reden und rechts und links des Wegesrandes schauen. Da ist dieses Jahr mit den Explorable Explanations und VR bzw. Immersive Journalism eine ganze Menge passiert.

Auch wir haben hoffentlich ein bisschen geholfen, die Idee voranzutreiben. Mit einem kleinen Newsgames Hackathon an der Zürcher Hochschule der Künste, mit unserem Fuchsprototypen für den RBB, dem Metadatenauger, dem Debatten-Debakel, dem Quiz beim Media Freedom Navigator und nicht zuletzt einem Talk am ZKM (Video) und Presseberichten, u.a. beim Elektrischen Reporter (Video).

2016 ff

Christian Huberts hat kürzlich irgendwo, ich finde den Link nicht mehr, den gegenwärtigen Epochenwechsel im Bereich Games skizziert. Newsgames sind dementsprechend meiner Meinung nach, genau wie Museumsgames oder Science Games Hilfsbegriffe, um mit der Gamesbrille auf der Nase auf unterschiedliche Themengebiete zu schauen.

Jeder einzelne wird dann auf die sinnvolle Verwendung von Game Mechaniken hin abgeklopft. Sei es, um Themenkomplexe erfahrbar werden zu lassen, um die Mitwirkung an ihnen angenehmer zu gestalten, um Teilgebiete zu verstehen, zu verkaufen oder zu verändern. Das Gute daran: Es wird einem nicht langweilig. Oh yes!