Kleine FAQ-Liste Newsgames

By Marcus on 20. August 2013 — 4 mins read

Am Donnerstag, 22. August, sitze ich auf einem von der Stiftung Digitale Spielkultur veranstalteten Panel zum Thema Newsgames auf der Gamescom. Hier Teil zwei der kleinen Berichterstattungsoffensive. Dringende Fragen und dringende Antworten. Zum Starten.

  1. Was ist ein Newsgame?
  2. Wo ist die Relevanz?
  3. Was bringt das?
  4. Seit wann gibt es die?
  5. Wer macht die?
  6. Was sind tolle Beispiele?
  7. Ist das nicht teuer?
  8. Dauert sowas nicht super lange?
  9. Kann ein Spiel überhaupt Informationen vermitteln?
  10. Ist das nicht gefährlich?
  11. Was hat das noch mit Journalismus zu tun?
  12. Wie macht man ein Newsgame?
  13. Und wo kann ich jetzt noch mehr über das Thema erfahren?
    1. Als Newsgame bezeichnet man Spiele die im journalistischen Kontext Verwendung finden und bei deren Erstellung journalistisch-ethische Grundregeln eingehalten werden. Das Genre lässt sich in diverse Sub-Genre unterteilen, die sich zum Teil an den klassischen journalistischen Darstellungsformen orientieren.
    2. Newsgames ermöglichen im Unterschied zu traditionellen linearen Medien die interaktive Erfahrung von Inhalten. Sie eignen sich daher perfekt für einen digitalen Ausspielweg auf computerbasierten Ein- und Ausgabegeräten, da diese durch die von Ian Bogost beschriebene prozedurale Rethorik neue Möglichkeiten der Inhaltevermittlung bieten.
    3. Newsgames können komplexe systemische Sachverhalte – wie beispielsweise die Entwicklung eines Staatshaushaltes – besser vermitteln als lineare Medien. Newsgames können aber auch als so genannter SLAT (Shit-look-at-that-Moment) einen niedrigschwelligen Themeneinstieg bieten und für ein Thema sensibilisieren. Newsgames können Nutzerinnen und Nutzer auf das eigene Angebot bringen und diese durch die Möglichkeiten der Interaktivität länger halten. Das ist ganz sinnvoll für den Einsatz von Werbung.
    4. Das erste Newsgame stammt von Gonzalo Frasca und wurde am 9. Oktober 2001 veröffentlicht. Siehe hier: Kabul Kaboom!
    5. Das Genre wird von Game Designern, Akademikern, Journalisten und Aktivisten weltweit ausprobiert und vorangetrieben. Zahlreiche traditionelle Medienanbieter wie die New York Times, der Guardian, die BBC, Channel 4 oder Le Monde haben mit dem Einsatz von Newsgames experimentiert.
    6. Um mal eben zu gucken, empfehlen sich:
      September 12th
      Spent
      Gauging Your Distraction
      Budget Hero
      Sweatshop
    7. Das kommt auf den Vergleichsmaßstab an. Vergleicht man die Erstellung eines komplexen Newsgames mit dem Schreiben eines kleinen Online-Artikels, dann ist ein Newsgame ziemlich teuer. Vergleicht man die Erstellung eines Newsgames mit der Planung und Erstellung einer TV-Schow, dann ist ein Newsgame ziemlich günstig.
    8. Das hängt stark vom Umfang und der Zielsetzung ab. Das erste Newsgame wurde während eines Amerika-Flugs von Küste zu Küste fertiggestellt. Je größer und komplexer das Spiel, desto länger der Aufwand. Derzeit diskutiert werden Tools, die die Erstellung eines Newsgames teil-automatisieren. Vergleichbar vielleicht mit der Gegenüberstellung: Hartes Coden einer Website versus Erstellung einer Website mit einem einfachen Baukasten-Editoren.
    9. Natürlich. Genau so wie ein großer Teil von Schülern Englisch durch das Hören von Musik außerhalb der Schule lernt, genauso lernen viele Schüler bereits heute mehr über Geschichte in klassischen Gamestiteln. Zudem ist der Einsatz von so genannten Serious Games seit Jahren im Bereich der Medizinzinerausbildung, des Militärs und bei der Ausbildung von Piloten üblich.
    10. Das ist eine typisch deutsche Frage. Warum um alles in der Welt sollen Newsgames gefährlich sein? Hier spiegelt sich die historisch wieder und wieder auftretende Angst vor neuen Genres, Medien und Möglichkeiten die Kathrin Passig sehr schön in den Standardsitiationen der Technologiekritik herausgearbeitet hat.
    11. Im Moment beobachten lässt sich im Kontext Journalismus bei vielen Machern ein Festhalten / Verklären an / von einem angeblichen Status Quo. Dabei reicht letztlich ein Blick in den Wikipedia-Artikel Die Geschichte des Journalismus. Der beginnt mit folgendem Satz: Der Journalismus hat sich im Laufe seiner mehr als 2000 Jahre währenden Geschichte jeweils der neuesten Technologien bedient. So sieht es aus. Der Journalismus im 21. Jahrhundert wird anders aussehen als der Journalismus des 20. Jahrhunderts. Und wahrscheinlich werden Newsgames im 21. Jahrhundert mit dazugehören.
    12. Für ein Game braucht man normalerweise einen Game Designer, der sich das Spiel ausdenkt. Einen Programmierer der es programmiert und einen Graphiker der es visuell aufhübscht. Alle Beteiligten sollten im Idealfall genug von den anderen Teilbereichen verstehen, um auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Wenn das Spiel einen journalistischen Inhalt vermitteln, erklären oder kommentieren soll, ist es natürlich ganz sinnvoll wenn auch ein Journalist am Entstehungsprozess beteiligt ist. Noch besser, wenn dieser Journalist zumindest über Grundkenntnisse im Bereich Game Design verfügt.
    13. Es gibt ein Buch über Newsgames. Ansonsten empfiehlt sich eine Twitter-Suche nach dem Hashtag #Newsgames. Hier stößt man relativ schnell auf jeweils relevanten Content. In letzter Zeit waren dies u.a.
      Journalism and video games come together as a new form of storytelling in Brazil
      Creating Games for Journalism
      Newsgames let your audience play with news

{Disclaimer: Ich hab hier im Sommer 2010 das erste Mal über Newsgames geschrieben, im Oktober des gleichen Jahres die Website Newsgaming.de gestartet, auf der re:publica 2011 einen allerersten eigenen wackeligenPrototypen präsentiert und im Juni 2013 schließlich mit PRISM – The Game das erste Newsgame aus Deutschland gelauncht, das u.a. hier gefeatured wurde: WDR, Arte, Süddeutsche Zeitung}

Teil Eins: Am Anfang war Kaboom!

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