Kinderbahnhof Wunderland

By Marcus on 17. September 2015 — 2 mins read

Der folgende kurze Text verhandelt den aktuellen Report der so genannten Trendagentur K-Hole aus New York, einen Artikel der aktuellen Ausgabe des Magazins Monopol der den Begriff Nonecore beinhaltet und die Webserie Translantics.

„Since then, two things have become clear. One was that the storms we predicted never came. The second was that the truth was not enough.“

Nach ungefähr 100 Tagen K-Hole No 5 gelesen. Oder sagen wir durchgescrollt. Wer um alles in der Welt liest das. Nehmen das Ernst dreinblickende Berater mit in das Vorstandsmeeting? Wir brauchen Magie. Wir schwimmen in einem Universum aus Eichhörnchen. Fair enough.

Am Bahnhofskiosk dann das Magazin Monopol gekauft, weil da ein Text über die Mode der Millenials versprochen wird. Dazu gibt es einen Text mit der Neuwortschöpfung Nonecore, die der recht schlichten journalistischen Grundregel folgt, dass nach einem Trend ein neuer Trend kommt der den vorangegangenen Trend ablöst. Nonecore folgt also Normcore. Aha. Bei K-Hole ist man zumindest so schlau, nach einer ultra-erfolgreichen Neuwortschöpfung den Ball erst mal flach zu halten. Man fordert lediglich Magie, d.h. vermutlich einen kollektiven Fernsehabend mit einer Sigfried und Roy Videokassette aus Vegas und etwas Drogen. Und etwas Kater am nächsten morgen. Und dann kommt irgendwann K-Hole No 6  oder auch nicht. Vielleicht hat dann jeder der daran Beteiligten einen gut dotierten Beraterjob oder ein Projekt oberhalb des Hudson Rivers.

Und was da nicht alles für ein Quatsch drinsteht in diesem Artikel. „Als Bewohner einer globalisierten und digitalisierten Kultur („Post-Internet“ beschreibt  eine Generation, die mit dem Netz aufgewachsen ist) sind sie nicht mehr gebunden an einen Heimatort.“ Soll das ein Alleinstellungsmerkmal sein? Ein Allgemeinplatz? Das Wesen des uniformen Stils sei es Distinktion zu vermeiden und nur im Klick des anderen komme der Post-Internet-Künstler ganz zu sich. Klick, Klick, Klick.

Spannend, dass der Begriff Künstler im Text nicht weiter aufgedröselt wird. Die gutaussehenden jungen und dünnen Menschen mit den bedruckten schwarzen Sachen und den kantigen Frisuren sind im Auge des Monopol-Autorenteams Sebastian Frenzel & Daniel Völzke eben Künstler an der Straßenecke der Restrealität, die man kennenzulernen gedenkt. Das hinter der Uniform, weit ab der Heimat aber immer weit im Internet, ein gähnendes Loch droht, im indifferenten Blick keine Haltung und keine Pose, sondern schlicht Leere, das steht da in diesem zusammengebastelten Artikel nicht.

Es klingt aber in der mehrfach zitierten Webserie Translantics an. Schwer zu sagen, ob das da alles allerdings wieder nur das meta vom meta ist. Post-Post-Ironie. Das Zitat vom Zitat. N+1. Immer einer mehr. Eigentlich das schlimmste. Wenngleich kurzweilig.

Welche Diskrepanz zwischen der Begutachtung des Publikums auf der Oberbaumbrücke durch die beiden Protagonistinnen BB und der anderen („Wie im Zoo“) und der in strahlend weißer Unterbekleidung mit Stofftier im Bett vorgetragenen Kindheitsprosa auf dem Macbook liegt. Höhere Töchter und Söhne mit Bildungsanspruch, über und unter 30 und eigentlich zu gar nichts zu gebrauchen? Oder nicht? Oder doch?

Ich gucke jetzt weiter. Revidiere meine Meinung dann noch mehrmals während Folge 5 läuft in der es eine schöne Formulierung mit dem Begriff Ghosting gibt und mehr Relevanz und sehr viel mehr Realität. Mal sehen. Ich nehm den Zug. Last Train. Transcentral. Karlsruhe.