Jon Rafman

By Marcus on 5. August 2014 — 2 mins read

Ich sitze im Zug. Aus meinem Laptop quillen drei unterschiedliche Kabel. Kabel Nummer Eins führt zu einem Plastikkasten aus dem wiederum ein Kabel kommt das mit einem Stecker in der Steckdose zwischen den beiden Sitzplätzen 71 und 73 steckt. 99 %. Das zweite Kabel im USB-Ausgang führt in meine Tasche und endet in meinem Telefon das sich davon leider vollkommen unbeeindruckt zeigt. 43 %. Es lädt nicht. Ein Defekt. In absehbarer Zeit wird alles vorbei sein. Kabel Nummer drei ist ein Kopfhörerkabel, die beiden Kabelenden auf der anderen Seite stecken in meinen Ohren. Keine Ahnung wieso. Ich höre mir damit gar nichts an. Vielleicht dient es lediglich der Kontaktaufnahme. Das Internet kommt kabellos aus dem iPad Mini. 57 %. LTE. Die Informationen kommen aus dem Magazin Monopol das ich mir seit Ewigkeiten nicht mehr gekauft habe. Aber da ich gestern bereits die Game Star gekauft habe. Das erste Mal in meinem Leben. Heute dann halt Monopol. Auf dem Cover ist das Bild eines jungen Mannes der die gleichen Kopfhörerkabel im Ohr hat wie ich.

Bildschirmfoto 2014-08-05 um 20.12.48

3G. Digital geboren. Zehn Künstler für die Zukunft. Steht auf dem Cover. Hat mich irgendwie gekriegt. Simon Denny stand auch da. Und im Editorial der Vorschlag das Magazin doch in zehn Jahren noch mal zur Hand zur nehmen. So lange soll es vermutlich auf einem Zeitschriftenstapel ausharren. Mitte der 1990er Jahre gab es mal eine Tempo-Ausgabe die Bilanz zog. Die ersten fünf Jahre des Jahrzehnts. Ich habe vergessen was da aufgelistet wurde. Macht nichts.

Schön aber, dass Anne Waak die eine Rubrik namens Elementarteilchen bestückt auch das Mona Lisa Emoji aufgefallen ist und ein angewiderter Hinweis auf Sleazo Koteletten und Olivier Zahm gefällt mir auch. Am allerbesten und allein schon die neun Euro Einkaufspreis wert ist ein kurzer Text über Jon Rafman. Nicht wegen der Qualität des Textes, sondern wegen der reinen Informationsdienstleistung. Habe mir 9 Eyes – eines seiner Projekte schon sehr oft angeschaut – aber ich hatte kein Gesicht dazu und keinen Namen. Jetzt gefällt mir das Projekt noch besser. Es ist so notwendig wie poetisch und allumfassend und zeitgemäß.  Dann den Wikipedia-Eintrag gelesen und auf der Seite herumgeklickt und Videos angeschaut und Instagram gibt es auch und dann die Future Gallery in Berlin entdeckt.

Bildschirmfoto 2014-08-05 um 20.12.12

E. Wollte danach beinahe die übrigen neun im Heft Besprochenen auflisten. Aber nur bis ich gesehen habe, dass die Mehrheit auch hier zu finden ist: Speculations on Anonymous Materials. Habe ich natürlich überhaupt nichts von mitbekommen. Dabei war Ryan Trecartin auch da. Schade.

Das Internet ist jetzt weg. Ich schreibe ins Nichts. Felder und Wiesen irgendwo vor Spandau. Wozu braucht man hier Internet. Man könnte stundenlang unter dem niedrigen Himmel spazieren gehen. Es hat geregnet und etwas abgekühlt. Und ich sitze hier hinter einer Glasscheibe die durch die Landschaft fährt und habe absolut keine Ahnung wie sich die Luft da draußen anfühlt. Ich sitze hier mit Jon Rafman. Auf der anderen Seite des Displays.

Leave a comment