Ist VR jetzt vorbei

By Marcus on 13. November 2017 — 4 mins read

Fragst Du. Und ich sag Nein. Denn die SZ entdeckt das Thema doch gerade erst. Und alles macht weiter. Immer weiter.

Und statt von VR, spricht man jetzt halt gerade von VR-MR-AR oder Immersive Design. Und Sketchfab Adds ARCore Support To Its Mobile App. Lese ich. Und das ist auch dringend nötig. Denn Google hat just mit Poly einen weiteren formidablen Bestandteil im modularen Werkzeugkasten für die Mixed Reality Zukunft gebaut.

#ARJournalismus

Und ich frage mich ganz ernsthaft, ob irgendwo in Deutschland an einem Journalistik-Lehrstuhl darüber nachgedacht wird, was das für Medienunternehmen bedeuten wird. Und dann frage ich mich, wie lange ich mich sowas noch fragen werde. Und – nur um das klarzustellen – natürlich muss #ARJournalismus im Jahr 2017 besser so aussehen und nicht so. Und dann ist es am Ende natürlich immer der umtriebige Robert Hernandez, der einen Twitteraccount aufsetzt, ein Semester lang mit Studierenden herum probiert, überall anruft und am Ende derjenige ist, der ausprobiert hat und irgendwas vorweisen kann.


Für deutsche Medienunternehmen muss müsste das heißen: Die Zeit von angereicherten Papiergeschichten ist vorbei. Hatte u.a. die deutsche Vogue mal. Ab jetzt muss das wie auch immer geartet kontextsensitiv sein, um Mehrwert zu bieten. Von mir aus auch mit einem Hai im Wohnzimmer. Oder einer dauerhaften virtuellen Begleiterin die unsere konstante Gesprächspartnerin und Vertraute wird. Siehe Blade Runner. Und keine Angst vor Visionen.

Ist VR jetzt vorbei? Nein, wir sind mittendrin. Ein kontinuierlicher Prozeß, der sich in steter Bewegung befindet. Langfristige „Verfestigungen“ wie das Fernsehen, bilden im Vergleich zur Vielzahl neuer Medienversuche eher die Ausnahme. Die computergestützte Virtuelle Realität vollzieht so gesehen keine Revolution, wie ihre Protagonisten postulieren. Das schrieb Oliver Grau mal in Virtual Art: From Illusion to Immersion.

Und er schreibt weiter: Der Gedanke langfristiger Standards widerspricht von vornherein der evolutionären Phänomenologie der Medien. Es ist letztlich unerheblich ob letztlich ein spezifisches technisches Gerät existieren wird, das mehr oder minder große Anteile jener Utopievorstellungen erfüllt, bedeutsamer ist die sich in einer Vielzahl von unterschiedlichen Medien manifestierende Suche nach einer illusionären, letztlich unmerklichen Verbindung zum Bild. Zusammengefaßt repräsentieren die künstlerische Visionen den Befund steter Illusionssuche mit dem jeweils technologisch avanciertesten Medium. #Verschmelzungsphantasien.

Eine To Do List mit allen Problemen

Heute morgen im Flugmodus höre ich einen Podcast mit dem verrückten Namen Sternstunde Philosophie von SRF Kultur der irgendwie auf mein Telefon geraten ist und Marian Goodell (CEO Burning Man-Project) und Ed Catmull (Präsident von Pixar) unterhalten sich und die Erkenntnis ist, dass es beim Burning Man keine Mülleimer gibt, weil jede selbst verantwortlich ist, also immer überall und auch mit einem Müllbeutel in der Wüste.

Und dann erzählt Catmull wie das irgendwann vor gefühlt 100 Jahren so war, die fixe Idee zu haben, dass man Zeichentrickfilme auch komplett am Computer machen kann und wie man hier vorgeht. Ziemlich einfach. Man setzt sich hin und schreibt eine Liste mit allen Problemen und dann macht man sich daran, diese Liste Punkt für Punkt abzuarbeiten. Das ist bisweilen frustrierend und nervig, aber irgendwann klappt es dann. Puffff. Fertig. Aktienkurs steigt in den Himmel. Ganz einfach.

Fokus, Fokus, Fokus und Linsen

Auf dem Weg dahin helfen dann offenbar immer die gleichen Sachen. Stück für Stück. Problem von diversen Seiten betrachten. Game Designer Jesse Schell hat dazu in diesem Buch mit den mindestens 99 Linsen alles gesagt. Nicht sonderlich auf interdisziplinäre Stellunskriege oder aktuelle Erfordernisse des akademischen Allerleis achten und alles aufschreiben. Denn sonst dreht man sich im Kreis. Sagt Julie Zeh, beim Spaziergehen im Wald in diesem Podcast von dem Typen der immer mit Leuten spazieren geht.

Um Pixar-inspiriert nun im MR-Bereich voranzukommen, hier ein recht konkreter Plan:

Im Rahmen einer Speed Prototyping Woche drei konkrete Szenarien umschreiben, bei denen MR-Anwendungen zielführend bei der Inhaltsvermittlung dienlich sein könnten. Hier etwas nehmen, was einen selber brennend interessiert, denn Lösungsversuche für medizinische Anwendungen, die Autoindustrie oder Mathenachhilfe gibt es bereits zuhauf.

Für diese Szenarien konkret Inhalte erstellen und darüber nachdenken: Wie viel? Welche? Wie aufbereitet? Audio, Text, interaktiv?  Mixed? Individualisiert?


Dann ableiten: Welches Einsatzszenario ist das Interessanteste und in welche Richtung geht das. Wie bei Pixar: Da werden – obwohl das sicher viele denken – per se keine Kinderthemen behandelt, sondern „Erwachsenenthemen“. Dann ist es „echter“ und näher dran und es gibt nach wie vor eine Erwachsenenebene und eine Kinderebene und jeder weiß, dass da noch mehr ist. Außerdem werden immer drei mögliche Szenarien und Storystränge ausgedacht, um direkt zu sehen, wo die emotionale Involviertheit beim dran arbeiten am stärksten ist. Schlau. Und alles in diesem Sternstundenpodcast in einem Air Austria Flugzeug viel zu früh am morgen.

Diese Speed Prototyping Woche machen wir mit Vragments übrigens im Dezember und ein MR-Prototypenkonzept für eine Förderung 2018 haben wir eingereicht. Fingers Crossed. In it for the long run. #OverinformedUndUndernewsed