Immersive Journalism

By Marcus on 26. Juli 2014 — 3 mins read

Wiedersehen mit einer alten Bekannten. Die NZZ berichtet über Nonny de la Peña und nachinszenierte Nachrichten.

Kleiner Zeitsprung. Es ist 2009. Die allerbeste Zeit von Second Life ist bereits vorbei, aber hier ist etwas was neu und verstörend und faszinierend und eigentlich einleuchtend ist. Ein virtueller Nachbau von Guantanamo. Für die die nicht da waren und die die nicht hinkommen. Statt linear versendeten ausgewählten Bildern, die Möglichkeit sich selber umzuschauen. Ist das Journalismus? Keine Ahnung. Warum nicht. Es fühlt sich ein bisschen nach Zukunft an. Und ist natürlich: teuer, aufwendig, unausgereift, angreifbar und ein bisschen albern. So wie die Zukunft am Anfang meistens.

Immersive Journalism nennt de la Peña das was sie tut und sie setzt eine Internetseite auf und verweist auf andere die vor ihr da waren und die Idee auch gut finden. Ein Technology Editor bei MSNBC namens John Dube sagt zum Beispiel, dass Leser und Zuschauer so näher an die Wahrheit kommen könnten. Was für ein Ziel. Und dann macht de la Peña das was man tun muss. Sie macht weiter. Und findet Verbündete und Geld und gewinnt Preise und Auszeichnungen. Aber trotzdem geht alles sehr langsam voran. Schließlich handelt es sich zwar um tolle Ideen, aber die sind teuer und dauern in der Umsetzung und überhaupt und sowieso. Innovation ist anstrengend und immer „vielversprechend“ wie die NZZ schreibt, also lieber mal abwarten und gucken was passiert.

Gut, dass immer sehr viel passiert. Meistens irgendwo anders. Zum Beispiel bei der Polizei. Denn auch die hat ein Interesse der Wahrheit näher zu kommen. Und dafür setzen Beamte in New Mexiko einen 3D-Scanner ein. Das ist erstens recht einfach und zweitens überaus praktisch, denn ein dreidimensionaler Tatort den man hin- und herdrehen und rein- und rauszoomen kann der macht nicht nur was her, sondern erweist sich auch vor Gericht ganz praktisch. 3D-Nachbildungen von physischen Orten kriegt man also schon mal halbwegs schnell hin. Einfach herumspazieren. Auch wenn es noch ein weiter Weg bis zum Holodeck ist.

Und dann kommt die Oculus Rift. Ein klobiger Kasten den man sich aufsetzt. Und dann kann man sich in Second Life umgucken. Oder lieber woanders. Eine Erfindung die ziemlich viele Leute die vorausschauen ziemlich begeistert. Wenn man über Immersive Journalism redet, dann darf man über die Oculus Rift nicht schweigen. Bei Conditon One wird sogleich – mal wieder – die Zukunft versprochen. Und an ganz vielen Orten an- und ausprobiert.

Und dann gibt es neben de la Peña noch Next Media Animation – sie bekommen bei der NZZ einen kleinen grauen Infokasten. Next Media Animation ist der Gegenentwurf zu de la Peña, die wissenschaftliche Paper schreibt, Fördergelder auftreibt und dann beim Sundance Filmfestival ihre Videos zeigt.

„Wir sind das schnellste Animationsstudio der Welt“ steht auf der Internetseite. Next Media Animation is a Taiwan-based subsidiary of Next Media, a Hong Kong media conglomerate, which creates humorous and simple CGI-animated coverage of recent news stories. Auch hier sieht die Zukunft aufwendig, unausgereift, angreifbar und ein bisschen albern aus. Nur nicht unbedingt teuer, sondern vielleicht eher billig. TomoNews. Masse statt Klasse. Jeden Tag 30 Videos. News aus den USA, Japan und aus anderen Teilen der Welt. Natürlich auch als App. Ist das Journalismus? Keine Ahnung. Warum nicht.

Joe Sacco hat in einem sieben Meter langen Panoramabild die Schlacht an der Somme aufgezeichnet. Ein schönes Referenzbeispiel, um über Comic Journalism zu sprechen. Aber das ist ein anderes Thema. Auch immersiv. Auch eine Nachbildung. Und auch eine gute Grundlage, um noch viel mehr über das Erleben von Inhalten und über Interaktivität zu sprechen. Denn es mag toll sein, als unbeteiligter Beobachter durch die dreidiemsionalen Nachbauten von de la Peña zu wandeln. Aber wie wäre es in das Geschehen einzugreifen. Und es zu verändern? Hätte das noch etwas mit Journalismus zu tun?

Kleiner Zeitsprung. Es ist 2019. Und wir lachen. Über klobige Brillen, schlechte 3D-Animationen und über die Begrenztheit von Bildschirmen. Vermutlich diskutieren wir immer noch über die Rolle von Journalismus und Journalisten. Wie eigentlich schon immer. Mal sehen was  de la Peña, die NZZ, die Polizei in New Mexiko und Next Media so machen. Wiedervorlage. Ein fehlendes Feature von WordPress. Und jetzt. Ab nach Aruanda.

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UPDATE: Is Virtual Reality The Future Of Journalism?

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