Hyperreality

By Marcus on 20. Juli 2017 — 4 mins read

Hyperreality is seen as a condition in which what is real and what is fiction are seamlessly blended together so that there is no clear distinction between where one ends and the other begins.

Eigentlich. Texte die mit eigentlich anfangen. Eigentlich wollte ich schon länger einen Text über Hyperreality schreiben. Ich hatte Umberto Eco Travels in Hyperreality (1975) bestellt, gelesen und die Orte über die berichtet wird währenddessen gegoogelt und angeschaut und zeitgleich recht inspirierend hier und da Gedanken über die Gegenwart von VR in einem New Yorker Podcast („Real reality is much better at being real reality than virtual reality“) und die Zukunft von Body Area Networks („The future, in other words, will be augmented. But by the time it happens, we might not even notice.“) aufgeschnappt und gerade Welt am Draht (Glitchszene im Auto, als plötzlich die Straße weg ist) gesehen, dann dachte ich mir, lies erst noch Simulacra and Simulation von Baudrillard und dann wird der Text vielleicht besser, dichter, runder. Aber statt dessen wurde alles immer komplexer und jede Weggabelung bot diverse verlockende Verzweigungen und so verlor ich mich im zusammenzimmerten Zitatewald.

Wäre also besser gewesen direkt loszulegen. Zitat Eco: At white heat, in the rush of an emotion, stimulated by an event, you write your reflections, hoping someone will read them and then forget them. Haha.

Everything looks real, and therefore it is real

Super Idee natürlich von Eco: Travel in the name of the absolute fake…begun in the spirit of irony and sophisticated repulsion, is now exposing us to some dramatic questions: How you regain contact with the past? Und die Erkenntnis: Technology can give us more reality than nature can.

Schön und erhellend wie Eco schildert, dass er nach dem Besuch in einer hyperrealen Umgebung danach die ursprünglichen originalen Objekte als schal empfindet (Verfall der Aura, Benjamin). Und weiter: The authenticity is not historical but visual. Everything looks real, and therefore it is real; in any case the fact that it seems real is real, and the thing is real even if, like Alice in Wonderland, it never existed.

Daydream demands

Zusammenfassend bleiben ganz viele Anmerkungen die man jetzt oder ganz bald noch mal im Kontext AR/VR/MR abklopfen könnte oder sollte. Weil die Begrifflichkeiten und Themen bisweilen deckungsgleich sind. Über eine analoge Nachbildung des Oval Office zum Beispiel: Absolute unreality is offered as real presence. Vgl. mit der Präsenzdebatte in VR. Oder auch: The hallucination serves to level the various historical periods and erase the distinction between historical reality and fantasy…. Disneyland tells us that faked nature corresponds much more to our daydream demands.

Nun. To be continued. Eco: I am anxious, insecure, an always afraid of being wrong. An dieser Stelle kurz das Vorspulgeräusch eines Cassettenrecorders vorstellen.

Ein neues Sternenfeld

Es ist Sommer. Es ist laut und stickig draußen. Die Stadt stinkt nach Döner und in der Coffee Fellows Filiale an der Danziger Straße läuft Wonderwall von Oasis während ich meinen Computer auf dem überschlagenen Bein balanciere und einen eiskalten schwarzen Tee trinke und darüber nachdenke wie im alles in der Welt ich einen jetzt ganz sehr bald zu schreibenden Text über Virtual Reality beginne, strukturiere und zu Ende bringe.

Wie ein Sandkorn im Zyklon wurde sie in den Abgrund gerissen. Ihre Geschwindigkeit steigerte sich ins Unermessliche. Plötzlich eine Explosion von Bildern. Zuckende Blitze, ungeahnte Farben und dann: Schwerelosigkeit, innere Schwerelosigkeit. Befreiung von Körper. Nur Seele. Nur Gedanken. Nur losgelöst sein. Kein Raum, keine Zeit. Die schreckliche Fahrt durch das schwarze Loch war vorüber. Kate erblickte ein neues Sternenfeld. Eine neue Galaxis? Sie alle fühlten, dass sie lebten. Das war. Das ist. Der Beweis dafür, das in diesem Universum kein Werk verloren geht. Vielleicht ist es der Beweis für Gott. Auf jeden Fall ist es der Beweis für Unsterblichkeit.

Wow. Und dann ohne Umschweife direkt rein in die mit PC-Musik unterlegte Bastelarbeit von Cabbibo, der an Oberflächen langschabt.

 In letzter Zeit einige Zeit damit verbracht in der neuen schönen Google Earth Browserversion so nah wie möglich an die computergenerierten Bäume und Gebäude heranzuzoomen, immer haarscharf an der Streetview-Ansicht vorbei.

Ungelenkheit

Was man hier betrachten kann sind vom Computer generierte Phantasiewelten: Ein Raumschiff über dem Google-Gebäude München (eigentlich wohl ein Kran) und schönste 3D-Effekte in den Bäumen rund um das Atomium in Brüssel. Eine verschwimmende Grenze von Fotos und im eigentlich geplanten Fall täuschend echten 3D-Nachbildungen. Ein visuell stimulierender Grenzbereich. Und genau da wo Ben Vickers bei Spike Art startet: Die virtuelle Realität steckt in den Anfängen und ist weit davon entfernt, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen. Genau da liegt ihr künstlerisches Potential. Die besten VR-Kunstwerke sind jene, die ihre Ungelenkheit nutzen. Randanmerkung: Wie enttäuschend es für einen Gamer sein muss in einer Galerie recht schlicht in Unity gestaltete VR-Räume zu erleben die nicht mehr sind als ein animierter Screenshot aus Second Life.

Nun. To be continued. Eco: I am anxious, insecure, an always afraid of being wrong.

Ich sitze im Schneidersitz auf dem Meeresboden und blicke mich um. Es ist vollkommen still hier. Ich bin allein. Aufgeräumte Flächen. Der Sand. Das Wasser und eine aufsteigende schräge Fläche von der ich hinabgestiegen bin. Vorher ein menschenleerer Strand, ich habe ihn von oben gesehen, als ich ziel- und planlos rumgeflogen bin. Mit ausgebreiteten Armen gleiten. Ich bewege mich hier mit einer Tastatur. Es ist 2007. Second Life.