Holodeck

By Marcus on 21. Januar 2016 — 3 mins read

Ar, VR, Mixed Reality, Metaverse, das Holodeck. Und dann?


Halbgare Gedanken über Sinn, Zweck und Nutzen aktuell diskutierter technologischer Spielereien.

Es ist faszinierend zu sehen bis zu welchem Grad menschliche Vorstellungskraft im Kontext Science Fiction technologische Entwicklungen und ganz konkrete Produkte schon immer vorausgedacht und vorgezeichnet hat. Jesse Kriss, Human Interfaces Project Lead at NASA/JPL, hat das kürzlich hier sehr schön beschrieben: (Science) Fiction and Design.

Future Holographic Technology

Wenn man über Augmented, Virtual, Mixed Reality und holografische Konzepte, Produkte und Ideen redet und spekuliert, kann man hier natürlich auch eine ganze Menge (zum Teil Jahrzehntealtes: Holodeck, etc.) abschöpfen. Jüngst sah ich ein paar Episoden der mittelguten Serie Extant. Da gibt es diese Szene im Natural History Museum of Los Angeles County: Suddenly, the elephant seems to come to life (thanks to future holographic technology), and leaves the diorama, roaring and raising its trunk, in a threatening manner.

Das ist sehr gut umgesetzt und perfekt eingefügt in dieses cleane Near Future Scenario war es für mich beeindruckender und nachhaltiger als viele dieser Star Trek Sequenzen. Vor allem, da ich kurze Zeit später im Berliner Naturkundesmuseum herumspazierte und den Status Quo der eingesetzten Technologie als schmerzlich gestrig empfand. Natürlich ist vollkommen klar, dass sich hier nicht nur etwas ändern kann, sondern auch ändern wird – fragt sich nur wann wenn man auf die ausgestellten Gesteine blickt. Und natürlich stellt sich auch die Frage von wem. Die Extant-Macher haben bzw. hatten 2014/2015 eine recht gute Idee, deren Versprechen u.a. Magic Leap ja irgendwie einlösen möchte.

Um besser zu verstehen

Fragen die sich nun aufdrängen: Na und? Wenn sich die Aufregung und der Magic Spell der brandneue Gadgets und Technologien umweht, verzogen hat, diese Devises Alltag werden, nichts besonderes mehr sind, ein ehemals gegebenes Versprechen besonders, neu, anders und aufregend zu sein, nicht mehr eingelöst wird, was dann? Was bleibt dann interessant, von Erkenntnisinteresse, kurz: Was überdauert den beschleunigten Zyklus von Aufkommen, Aufgehen im Mainstream und Ad Acta legen. Was ist interessanter als das iPhone 10 und die Oculus 5? Was bleibt. After all is said and done?

Arbeitshypothese: Storytelling (als Grundkonzept seit Anbeginn der Menschheit), Interaction (neue Relevanz im Zeitalter digitaler Ein- und Ausgabegeräte) and the concept of play (beides). Wozu?

Um personalisierte Erlebnisse zu generieren, die idealistisch betrachtet dazu beitragen können, das Wissen der Menschheit nicht nur zu katalogisieren und zu archivieren, sondern um es im Kontext Museum oder Science Center direkt im Jetzt und in Zukunft besser nutzbar und erfahrbar zu machen, um besser zu lernen oder gar zu verstehen. Achtung Kalenderspruch: The real voyage of discovery consists not in seeking new landscapes, but in having new eyes a holodeck.

Hitlers Home Office

Vor einigen Monaten stand ich im Deutschen Historischen Museum in Berlin vor Hitlers Schreibtisch. Letztlich lässt sich an diesem schlichten Alltagsobjekt so viel festmachen. Salopp ausgedrückt: Wenn dieser Schreibtisch erzählen könnte. Kann er aber nicht. Er steht in einem Glaskasten, nicht sonderlich exponiert, versehen mit einem Infokärtchen, das ungefähr alle Fragen offen lässt. Also stehe ich da in dem Museum wo es keinen sonderlich guten Empfang gibt und google trotz quälend langsamem Netz ergänzende Informationen. Eigentlich eine Bankrott-Erklärung für ein Museum.

Natürlich kann und wird man die Technologie auch in anderen Bereichen einsetzen können. Um im Home Office auf dem Mars herumzuspazieren, etc. Und auch hier werden nachwachsende Generationen dann irgendwann die heute fast unvorstellbare Technologie müde belächeln wie wir heute vielleicht die Schreibmaschine mit der all diese Karteikarten in den Zettelkästen der Universitätbibliotheken geschrieben wurde. Nothing is the future forever.

Rush to danger

Aber. Und damit kommen wir dann langsam zum Call to action: Seeing the future is not changing it. Und deswegen bleibt die Aufgabe: Sich trotz wandelnder Technologien mit den oben genannten Konzepten Storytelling, Interaction and the concept of play an nichts weniger als am Phantasma des ultimativen Displays – als einem Raum, der jede beliebige Umgebung audiovisuell, haptisch und auch olfaktorisch und gustatorisch erschaffen kann – (Prof. Dr. Jens Schröter) abzuarbeiten.

Um Wege aufzuzeigen die begangen werden könn(t)en oder noch viel besser, um einen Weg einzuschlagen, der noch gar nicht da ist, um zu sehen wo man herauskommt. Nächster Schritt: Konkretisierung von Storytelling, Interaction und concept of play, verstanden als Komponenten der „Game Brille“ mit der ich auf den weltweit ausgestellten, meist toten, bewegungslosen und leider oft bedeutungsleeren „Content“ blicken möchte. Um ihn zum Leben zu erwecken (enhancen). Und dann fehlt es noch an einem geeigneten Inhalt, Ort und Verbündeten. Rush to danger, wind up nowhere (*).