By Marcus on 30. Oktober 2012 — 1 min read

Gerade etwas irritiert das dünne Buch von Mercedes Bunz in der Badewanne zu Ende gelesen. Irritiert festgestellt, dass es noch keine einzige Rezension im Internet gibt? Hätte doch jetzt so gerne welche gelesen. Allein schon um zu sehen, ob ich irgendwas eingehüllt im Schaumberg übersehen habe. Für eine “Vordenkerin der Digitalisierung” ist die Schlussfolgerung des Buches nämlich ein bisschen dünn. Geht sie doch nicht wirklich weiter als der Klappentext.

Statt voranzuschreiten, scheint es Bunz in der Bibliothek eher bei einer Durchsicht alter Artikel und Aufzeichnungen belassen zu haben. Denn es tauchen auf: Janis Krums, Ushahidi, der US-Wahlkampf 2008 und ein paar Tweets aus Kairo. Dazu ein bisschen was semi-aktuelles zum Internet der Dinge, Narrative Science, Mobile Reporting kommt auch vor, eine Verteidigung von professionellem Journalismus whatever that might be, garniert mit etwas “wir”-Aktivismus. Der Neoliberalismus ist doof, Hochfrequenzhandel gefährlich, schon Sokrates fand Veränderung bisweilen blöd. Und auf der re:publica 2010 war Mercedes Bunz auch, ich hab sie ja selbst gesehen. Und da gehört hat sie wohl auch Peter Kruse, denn dessen Vortrag über Experten hinter Bildschirmen klingt hier auch irgendwo durch.

Wenn das Buch ein bisschen später herausgekommen wäre, hätten wir auch noch von 3D und Drohnen gelesen. Einzig: Es hätte kaum etwas genützt. Denn leider liest man aus dem Buch mehr seine Entstehungsgeschichte in einer Bibliothek mit wackliger Internetverbindung heraus, als das – was so toll gewesen wäre: Digitales Vordenken. Mit nahem Gegenwartszentrismus und einem Zusammenfassen mehr oder weniger bekannter Phänomene allein plus eingestreuten Gelehrten-Zitaten und dem Verweis auf “Texte die man gelesen haben muss”  kommt man nämlich am Ende gar nicht so weit. Auch wenn sich Shirky neben Kant auf dem Tisch stapelt. 

Es fehlt Fokus. Es fehlt ein genaues Thema. Algorithmen sind es nicht. Es ist die Digitalisierung selbst. Ein bisschen viel des Guten.

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