Dr. Martens

By Marcus on 10. September 2014 — 1 min read

Als ich 12 Jahre alt war hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung von einer perfekten Außenwirkung. Mein Traum-Outfit Ende der 1980er Jahre bestand aus halbhohen weißen Turnschuhen – dem Jospeh Fischer Modell aus dem Ledermuseum nicht unähnlich –, einem Arm in Gips und einem grünen Apfel – ähnlich dem aus der Blend-a-med Fernsehwerbung.

 

Shibacco-Liquid-Apfel-AppleHeute sah ich einen Jungen auf dem Gepäckträger des Fahrrads seiner Mutter vor dem Kiosk neben dem Millowitsch-Theater. Er hatte Doc Martens an und die sahen verdammt gut aus. Das letzte Mal als diese Schuhe ähnlich gut aussahen war im Subkultur-Seminar an der Uni Cambridge Anfang der 00-Jahre als dieser junge Dozent reinkam der später das erste wissenschaftliche Smiths-Symposium veranstalten würde.

Morrissey trug die Docs etwa zur Your Arsenal Zeit 1992. Ich hab letztes Jahr in Hamburg noch mal welche anprobiert und mir die Originals aufschwatzen lassen, weil ich natürlich direkt so aussehe als ob ich 105 Euro mehr bezahle, um danach dämlich subtil auf die Originalpassform 1960 hinzuweisen oder auf den total wichtigen Unterschied zwischen Vernähen und Verschweißen. Sahen sehr klobig und komisch aus. Ich verzichtete dankend, um jetzt dann vermutlich doch mitzumachen.

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M sagt, dass dieses Rumdenken über das wenn und was und wie bereits vollkommen überflüssig und albern sei. Recht so. Ich bin der, der das iPhone 6 kauft und bald in quietschenden neuen ggf. leicht albernen Schnürrstiefeln die in Asien zusammengetackert wurden durch die Gegend läuft und sich dabei fragt, ob das okay ist. Schön an diesem Schuh ist und bleibt aber der Prozess. Denn ähnlich wie bei einem Desert Boot sieht der Schuh am allerbesten aus kurz bevor er untragbar wird. Das unterscheidet ihn von einem Turnschuh. Falls Ihnen das bislang unklar war. Sing Your Life.

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