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By Marcus on 28. Dezember 2017 — 5 mins read

Weniger ist mehr. Irgendwann am 24., als wir an einer Sofalehne lehnen und es langsam dunkel wird, rutscht mir diese Minimalistenfloskel raus.

Und schon hab ich meinen Vorsatz für 2018. Was vor ungefähr einem Jahr hier mit Aufräumen und Fokussieren anklang, prägte 2017. Noch nicht abgeschlossen, aber deutlich übersichtlicher alles hier. Los geht’s.

News / Games

Im Sommer habe ich nach fast fünf Jahren meine Geschäftsführertätigkeit bei the Good Evil beendet, meine Anteile zurück an Linda verkauft und bis auf den Abschluss einiger kleiner Projekte bin ich raus. Vorher haben wir unser dreijähriges Serious Game Projekt Serena Supergreen erfolgreich beendet und damit direkt zwei Preise gewonnen, unser von der Bosch Stiftung gefördertes Projekt Sciencegames.de läuft aus, ich hab die finale Abrechnung eingereicht. Im Frühling hat unser kleines Newsgame Schlauer Bauer für den NDR für einigen Wirbel in der Agrarszene gesorgt. Ein schöner Abschluss, um zum Ende des Jahres auch die Website Newsgaming.de zu schließen – hier findet sich weiterhin eine PDF-Version.

Ich hatte das Gefühl in dieser Konstellation alles im Kontext Games erreicht zu haben was geht bzw. alles was ich da erreichen möchte. Tolle Kolleginnen und Kollegen, tolle Kunden, Auftraggeber, Partner, Preise, Interviews, Veröffentlichungen. Kann man machen. Weitermachen. Aber die Projekte wiederholen sich. Und bevor es Gewohnheit wird, wollte ich einen Schlussstrich ziehen. Die technologische Entwicklung im Kontext Mixed Reality finde ich derzeit viel zu spannend, um sie lediglich mit der Gamesbrille auf der Nase anzugehen. Interessiere mich natürlich weiterhin für alles was Paolo PederciniPippin Barr, die Kollegen bei Preloaded und andere treiben. Und natürlich berate und helfe ich weiterhin gerne im Kontext Games. Zum Beispiel bei den Kollegen der Deutschen Welle mit denen ich im Januar 2018 einen Newsgames Workshop und ergänzendes Prototyting mache.

Hier noch das Abschiedsposting auf der the Good Evil Website und quasi als Abschiedsgruß der Hinweis auf einen etwas älteren Newsgamesartikel für das Grimme Institut.


Virtual / Augmented / Mixed Reality

Wir, das heißt Linda, Stephan, Ronny, Tino und ich, also Vragments haben Anfang des Jahres eine GmbH gegründet und den Rest des Jahres vor allem damit verbracht, an unserem Produkt Fader zu arbeiten. Zusammen mit der Deutschen Welle und Euronews entwickeln wir einen webbasierten Editor für 360 Grad und VR Storytelling. Das Tool läuft inzwischen, wir haben mehr als 600 aktive Produzentinnen und Produzenten auf der Seite, darunter eine ganzer Reihe von Medienanbietern und Universitäten aus den USA, Deutschland und der Schweiz.

Im Herbst haben wir genau wie 2016 unseren VR Pop Up Store in Kreuzberg veranstaltet, daneben diverse Workshops und Präsentationen, u.a. bei Coca-Cola. Im Dezember haben wir uns dem Thema Augmented Reality im Rahmen einer Prototyping Woche angenommen und einen AR Prototypen namens Explainer entwickelt. Wir wollen uns 2018 im Kontext Mixed Reality aufstellen, um neben unserem Tool Fader, dessen Google-Finanzierung im Mai ausläuft, weitere Produkte auf den Markt zu bringen. Mit dabei ist ein lauffähiges Tool, um 3D-Modelle millimetergenau zu vermessen, dazu bald mehr.

Auch wenn die VR Revolution 2017 ausblieb, glauben wir fest an die Transformation weg vom Smartphone hin zu hoffentlich bald noch schöneren, kleineren und leistungsfähigeren Head Mounted Displays. Dazu hier ein spannender Talk von Benedict Evans. Ganz generell kann man hier auf der Seite sehr gut mein dieses Jahr besonders stark ausgeprägtes Interesse an Mixed Reality nachvollziehen. Schließlich handelt nahezu jedes Posting 2017 in irgendeiner Form vom Thema.

Allein im Januar 2018 geben ich drei Workshops zum Thema VR / AR / MR. Bei Interesse gerne Kontakt via Netzwerk Medientrainer.

Google Tools Training – jetzt neu

Seit Februar 2017 bin ich einer von acht zertifizierten Google Tools Trainerinnen und Trainer in Deutschland. Zusammen mit dem Netzwerk Medientrainer schule ich für Google Journalistinnen und Journalisten in Deutschland und Europa in den Bereichen Recherche und Storytelling. Das ist zum einen faszinierend, weil man durch den konstanten Austausch mit versierten Trainer-Kolleginnen und -Kollegen, dem engen Kontakt zu Google und dem immer wieder Erklären sehr handfeste und vertiefende Kenntnisse erlangt, zum anderen kriege ich hier ungeahnte Einblicke in den journalistischen Arbeitsalltag bei großen und kleinen Redaktionen im In- und Ausland. Das macht Spaß und ich freue mich auf einen ganze Reihe weiterer Workshops, Vorträge und Schulungen 2018.

Mobile Reporting

Ich dachte eigentlich irgendwann mal, dass sich das Thema ungefähr 2012 erledigt haben dürfte. War und ist aber nicht so. Das Interesse ist ungebrochen. Und das ist natürlich gut, denn Mobile Reporting bezahlt nicht nur die Miete, sondern macht mir weiterhin Spaß. Da in diesem Bereich – mehr als in anderen – weiterhin viel passiert. Zum Beispiel, dass Filmic Pro jetzt Airpods-Support anbietet, ein Feature das ich lange sträflich vermisst habe. Außerdem kann man mit den Geräten dank ARKit und ARCore langsam aber sich auch ein wenig Augmented Reality ausprobieren (zum Beispiel mit 3D Schriften im Raum) und mit ergänzender Hardware 360 Grad Videos anfertigen. Dazu habe nebenan bei Fader eine kleine englischsprachige Anleitung verfasst.

Dieses Jahr habe ich wieder eine ganze Menge Workshops durchgeführt, u.a. an der Uni Dortmund, mit den jungen Journalistinnen und Journalisten Bayerns im Kloster Banz, beim Deutschlandfunk, bei T-Mobile in Wien, bei Sat 1,  an der ZDdK in Zürich und bei vielen anderen auch.  Alles in allem waren es unfassbare 68 Workshops in 52 Wochen. OMG. Wobei das alle Themen umfasst. Hier ein Interview zum Thema und hier noch ein Interview zum Thema. Und bald auch mehr Infos nebenan auf Mobile-Journalism.com. Wollte eigentlich einen Text zum journalistischen Alltag mit dem iPhone X verfassen, aber das ist zwar solide und liegt ganz gut in der Hand, verändert dann aber das große Ganze doch nicht so wie erwartet. Freue mich vor allem auf die weitere Entwicklung digitaler Formate mit dem Smartphone in Workshops und darüber hinaus.

Und sonst

Seit gefühlt 20 Jahren habe ich 2017 endlich mal wieder eine Printgeschichte geschrieben. Einen Ausflug in virtuelle Welten für das Magazin Numéro Homme. Einen Rough Cut des Textes gibt es hier.  Ansonsten habe ich es endlich mal geschafft einen Wikipedia-Artikel anzulegen und zu befüllen: Matthias Bitzer. Der Rest des Jahres war ziemlich vollgestellt mit Büchern. Mit der festen Absicht sofort eine Doktorarbeit zu schreiben, habe ich mich kopfüber in Medientheorien und den akademischen Diskurs rund um das Thema Mixed Reality gestürzt. Bin da noch nicht wieder richtig aufgetaucht. Der Versuch alles mit einem Besuch der medienarchäologischen Konferenz Re:Trace akademisch festzuzurren ist nach hinten losgegangen und ich paddle hier weiter im Ozean des Wissens umher – ohne Schiff und ohne Insel. Aber noch hab ich Wasser und einen Sonnenschirm auf dem Floß und vor allem genug auf der Leseliste. Mal sehen was 2018 da noch so bringt.

Und damit kommen wir wieder ganz oben an. Weniger ist mehr. Hallo 2018. Während des Verfassens dieses Textes lief das Album Ctrl von SZA in Dauerschleife. Am häufigsten lief Drew Barymore.

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2017 Ctrl
2016 Arbeit und Struktur
2015 Arbeit