Berlin Community Radio

By Marcus on 25. Oktober 2015 — 1 min read

Als das Radio noch aufregend war, saß man mit einem Walkman auf dem Rücksitz eines Autos das durch Deutschland fährt. Der Walkman verfügt über ein eingebautes Radio, an dessen geriffeltem Drehrädchen man auf- und abdreht, bereit für Überraschungen im ewigen Rauschen des Äthers.

Ein nicht zu entschlüsselndes System aus Zahlen, Buchstaben, Frequenzen und von irgendwoher Menschen und Musik und Geräusche. Die plötzlich auftauchen, bleiben, um dann beim Verlassen des Frequenzbereichs zu entschwinden. So muss es sich anfühlen, wenn man auf einem Planeten zurückgelassen wird und die Funksprüche unbeantwortet in der Leere des Kosmos umherirren. Der letzte Kontakt, der abreißt, im Knistern untergeht, unverständlich und unabänderbar.

Ein Smiths-Konzert auf BFBS, A Passion for Plastic, ein WDR5-Gespräch über Äpfel, alte Menschen die von früher erzählen, eine Fahrt nach Frankreich auf der wir mehrere Stunden lang in einer dauerhaften Schleife alle fünf Minuten lang eine LIve-Version von Rihannas Umbrella hörten. Später dann auf dem Telefon das East Village Radio mit einer Radioshow von Benjamin Cho, ein paar Folgen This American Life, in letzter Zeit dann nicht mehr so viel. Sanft & Sorgfältig vielleicht, im Zug. Aber eine wirkliche Entdeckung, die trotz Digitalität an die Unmittelbarkeit, das Abenteuer und das Entdecken anknüpfen konnte?

An zwei Wochenenden jetzt vom Berlin Community Radio überrascht worden. Auf dem Telefon mit der App TuneIn. Nicht mit Musik, sondern mit dem gesprochenen Wort. Die Verbindung bricht mehrfach ab, es puffert, Prozentzahlen zählen sich hoch, aber ich möchte das jetzt bitte weiter hören. Zwei Amerikaner die ein Tom Kummer Interview mit Pamela Anderson auf Englisch übersetzt haben und dies jetzt ungelenk mit verteilten Rollen vorlesen und heute dann Julia Zange, die ich an der Stimme erkenne, weil ich mir Britta Thies Transatlantik angeschaut habe, im Gespräch mit einem Mann aus Wien der Berlin Mitte hasst – offenbar ihr Co-Host – und der Schriftstellerin Sissi Tax, wie ich später herausfinde, weil ich bei Instagram so lange scrolle bis ich ein Bild zur Sendung mit dem Namen 60HZ finde. Ich glaube, dass sich das Studio nur wenige Meter von meiner Haustür befindet und dieser Gedanke fasziniert mich.