Arbeit

By Marcus on 29. Dezember 2015 — 7 mins read

Was ich 2015 beruflich so gemacht habe. Eine unvollständige Zusammenstellung für alte und neue Auftraggeber, inkl. Premium-Buzzwords, Panels mit verrückten Namen und dem offiziellen Ende meines Drohnenexpertentums.

Kurz nach Weihnachten bekam ich eine Mail von Craig Mod. Um genau zu sein, war es nur sein Newsletter. In dem informierte Mod darüber was er so getrieben habe und was er gerade so mache. Etwas Faszinierendes stand da auch irgendwo: Eigentlich würde er immer nur mit Leuten die er toll finden würde Zeit verbringen und dann aus dem was in der Zeit passiert sei, etwas machen. Hauptsächlich eben schreiben. Klingt gut. Klingt amerikanisch. Klingt auch ein bisschen konstruiert. Er pendelt zwischen San Fransisco und Tokio. Und dann da über den Wolken, lehnt er sich zurück, schaut aus dem Fenster, nippt an einem Glas Tomatensaft, greift nach dem Bleifstiftstummel und dann schreibt er alles auf.

Was ich, also nicht Craig Mod, dieses Jahr beruflich so gemacht habe, lässt sich am besten anhand von verschiedenen Themen auflisten.

Mobile Reporting

2015 hab ich erneut eine ganze Reihe von mehr als zwanzig Workshops zum Thema gegeben. Das Schedule ist ziemlich voll damit. Neben bewährten Auftraggebern wie dem WDR, der Axel Springer Akademie, der Akademie für Publizistik und dem WDR, habe ich auch neue Auftraggeber wie die Evangelische Journalistenschule, den Stern, das Forum Journalismus und Medien und den Kurier in Wien, die Kölner Journalistenschule und die Wissenschaftsjournalisten akquirieren können. Mit den Kölnern Journalistenschülerinnen und -schülern war ich auf der Cebit, wo wir für die FAZ mobil berichtet haben.

Inhaltlich war das Jahr vor allem durch mobile Video- und Multimediaformate für Instagram, durch Livestreaming-Apps wie Periscope und neue Tools wie Snapchat geprägt. In meiner Rubrik Journalisten-App der Woche auf Torial und auf meiner Website Mobile-Journalism habe ich darüber geschrieben. Und natürlich die Seminarinhalte konstant angepasst, modifiziert und aktualisiert. Für den WDR habe ich im Dezember ein erstes Periscope Only Seminar gegeben und mit den Volontärinnen und Volontären der Deutschen Welle neue Snapchat-Formate ausprobiert.

Newsgames

Nach beharrlichem darüber reden und schreiben – z.B. 2010, 20112012, 2013, 2014 – ist 2015 endlich ein bisschen Bewegung in die Sache gekommen. Zusammen mit meinem Game Studio the Good Evil habe ich für die Deutsche Welle Akademie die Konzeption und Umsetzung des Media Freedom Navigator übernommen und zumindest schon mal ein Quiz eingeschmuggelt. Wir haben für die ZDF Heute Show zwei Spielideen entwickelt: Metadatensauger und Debatten-Debakel. Und wir haben zusammen mit einem Team des RBB einen Prototypen für ein mobiles Game rund um das Thema Füchse in der Stadt entwickelt und umgesetzt.

Über das Thema geredet habe ich natürlich auch. Zum Beispiel am ZKM im Rahmen des Symposiums GLOBALE: Online-Journalismus und die 4. Macht. Hier ein Videomitschnitt. An der Freie Universität Berlin habe ich eine Lecture zum Thema im Seminar „Media, New Technologies and International Relations“ gehalten. Auf dem Gamescom Kongress saß ich zum Thema auf einem Panel mit dem leicht wahnsinnigen Titel „Mit digitalen Spielen vom Ausspiel-Kanal zur echten Medienkonvergenz: Games go Literatur go Journalism go Games – Panel auf der Gamescom“ und besonders gefreut hat mich die Einladung nach Zürich, um an der ZHDK einen Newsgames Hackathon durchzuführen. Game Prototypen zum Thema sind auch bei einem von meiner Kollegin Linda und mir geleiteten Workshop auf der Play15 entstanden. Ganz passend zum Jahresabschluss gab es dann noch einen Beitrag zum Thema Newsgames beim Elektrischen Reporter. Da durfte ich auch ein bisschen was erzählen.

Museumgames

Mein kleines Seitenprojekt PlayTheMuseum  – Conversations about museums and games – ist 2015 nach einer aufwändigen Videooffensive zusammen mit Guy Degen fürs Erste zwar sanft eingeschlafen. Dafür habe wir bei the Good Evil dieses Jahr aber unser erstes Museumsgame gelauncht.

Für Basel 1610 habe ich das Game Design fabriziert, die Dialoge geschrieben und das interne Projektmanagement gemanagt. Wir sind mächtig stolz auf unser Baby bei dem es sich zwar zunächst „nur“ um einen Prototypen handelt, aber das ist erst der Anfang. Die Zusammenarbeit mit Museum und Kunsthistorischem Institut hat großen Spaß gemacht und die Presse ist bislang auch recht freundlich. Alles weitere zum Projekt hier.

Science Games

Zusammen mit Dennis von Mediomix habe ich dieses Jahr die von der Bosch Stiftung geförderte Seite Sciencegames.de gestartet. Zitat von Superlevel: „Ein Infoportal, in dem digitale Spiele mit Wissenschaftskontext redaktionell gesammelt und besprochen werden. Langweilig? Nö.“ Wir haben das Konzept erarbeitet, eine kleine Redaktion aufgesetzt und konnten das Projekt bei der Wissenswerte Konferenz in Bremen launchen. 2016 soll das Portfolio und das Redaktionsteam ausgebaut werden.

Games und sonst

Damit das hier nicht vollends ausartet, verweise ich für weitere Projekte die für schlaflose Nächte gesorgt haben an denen ich beteiligt war wie u.a. beispielsweise SERENA – ein Serious Game über Erneuerbare Energien – auf die Website von the Good Evil. Hier nur noch erwähnt seien meine Keynote auf der DaFWEBKON Konferenz: Fünf Gründe, warum Games den Bildungssektor umkrempeln (hier nach ewiger Wartezeit komplett on Demand anzuschauen) und auf den zusammen mit Linda gehaltenen Vortrag auf der Quo Vadis Game Conference: How to turn a kids book into a 3d adventure game.

Virtual Reality

Letztes Jahr um diese Zeit schrieb ich einen kleinen eiligen Rant mit der Überschrift Virtual Reality und Journalismus 2015, weil mich ein Text von Kurt Kister ein bisschen genervt hatte. Kaum ein Thema hat mich im Laufe des Jahres so fasziniert und beschäftigt. Ich habe da immer wieder mal Linksammlungen gepostet und zwei, drei Gedanken dazu geäußert: VR-Masterplan, Weg mit dem Visual Clutter. Mehr unter dem Tag VR.

Besonders gefreut hat mich, dass ich zusammen mit Linda und Stephan von Virtual Reality Studio vragments und anderen am Leap Motion #3DJAM teilnehmen konnte. Zusammen haben wir eine Art virtuelles Science Game prototypisch umgesetzt. Von mir stammen Game Design, Sound und Dialoge. Auch wenn wir mit VRΩ bislang noch keinen Blumentopf aber zumindest ein T-Shirt beim Screenshot Thursday gewinnen konnten, zeigt sich hier ein Weg auf dem ich gerne noch etwas voranspazieren möchte.

Konzeption

Zusammen mit Linda habe ich in den vergangenen drei Jahren immer wieder mal Workshops zum Thema Konzeption digitaler und gerne auch interaktiver Produkte durchgeführt. Unter anderem für Bastei Lübbe, die Deutsche Welle oder den WDR. Dieses Jahr konnte ich die Kenntnisse als Dozent an der Akademie für Publizistik sehr gut gebrauchen. Im neuen Zertifikatskurs Visuelle Publizistik durfte ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei mehreren Modulen – hoffentlich hilfreich – zur Hand gehen. Nützlich waren hier auch eine ganze Reihe von erfolgreich durchgeführten Projekten nebenan bei the Good Evil.

Kuratieren

Eines der zentralen Buzzwords des Jahres. Kaum jemand der nicht gerade kuratiert, darüber redet oder wenigstens ein Buch dazu schreibt. Zeit also schleunigst mitzumachen. Seit einigen Wochen bin ich offiziell Kurator bei einem neuen aufstrebenden Medienunternehmen namens piqd. Zusammen mit anderen bestücke ich die Games-Rubrik. Jeden Tag wird maximal ein empfehlenswerter Link gepostet. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist schon alles. Macht Spaß. Mal sehen was hier 2016 so passiert.

Drohnenjournalismus

Ende 2011 haben Lorenz und ich Drohnenjournalismus gestartet: Diese Seite bündelt(e) interessante Fundstücke zum Thema Drohnen und Journalismus – mit ihnen und über sie. Mit dieser Website wurden wir ziemlich schnell offiziell zu so genannten Drohnenexperten erklärt. Vermutlich weil Journalistinnen und Journalisten bei der schnellen Recherche irgendwie immer auf diese Seite stießen. Fair enough. Die Folge waren Artikel, Berichte und Fernsehauftritte.

Anfang des Jahres schrieb ich für das Fachorgan Journalist den ziemlich langen Text „Was Journalisten über Drohnen wissen sollten“ der danach in abgewandelter Form noch mal in der Deutschen Bauzeitung erschien. Außerdem landete ich in der Expertendatenbank von Deutschlandradio Kultur und durfte mich zu tollen Themen wie „Was macht einen guten Drohnenfilm aus?“ äußern.

There will be more drones coming. Steht über unserem inzwischen verwaisten Tumblr. Heute und hier verkünde ich trotzdem das Ende meines Drohnenexpertentums, das eigentlich immer auch nur einer amateurhaften Neugier und der Lektüre von ziemlich vielen Artikeln geschuldet war. Drohnen werden in den kommenden Jahren natürlich gesellschaftlich noch viel viel relevanter. Aber mein Interesse ist bis auf weiteres befriedigt. Ich werde mir auch weiterhin anschauen was in dem Themenbereich passiert. Aber bitte nicht als Experte. Das können andere mit deutlich mehr Praxiserfahrung inzwischen deutlich besser, denn meine Drohne verstaubt im Keller.

Und sonst?

Ich war dieses Jahr das erste Mal Mitglied einer Jury und konnte beim TV Hackday tolle und weniger tolle Ergebnisse kommentieren und bewerten, durfte 2015 noch mal ganz grundlegend Twitter erklären, im Kongresszentrum Bremen einen Saal füllen, an einer Realschule in Heidenau (!) unterrichten und dabei sein, als the Good Evil den Deutschen Computerspielpreis in Berlin doch nicht aus den Händen von Monika Griefahn in Empfang nehmen durfte. Ich bin also halbwegs bereit für 2016. Und suche immer noch Auftraggeber mit den Anfangsbuchstaben X oder Y.